Hummelkartierung

Eisenhuthummel (Bombus gerstaeckeri)

Kurzbeschreibung

Aktuell wird an einem Atlas der in Österreich vorkommenden etwa 45 Hummelarten gearbeitet. Die Gesamtleitung des Projekts obliegt den beiden Salzburger Hummelspezialisten Johann Neumayer und Walter Wallner. Über die Naturschutzbund-Plattform www.naturbeobachtung.at können im Rahmen eines Citizen Science-Projekts von jedem Naturinteressierten Hummeldaten zur Verfügung gestellt werden. Um diese Daten evaluieren zu können, ist ein qualifizierbarer Fotobeleg notwendig.

Hilfreich und nahezu unerlässlich für die Hummelbestimmung ist der preiswerte Feldführer „Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz“ von Joseph Gokcezade u.a. Mit Hilfe dieses Heftchens kann man sich recht schnell in die überschaubare Artenzahl der in Österreich vorkommenden Hummelarten einarbeiten.

Unbestimmte Hummeln können auch in einem Diskussionsforum von www.naturbeobachtung.at zur Diskussion gestellt werden. Auf diese Art werden in Österreich jährlich tausende neue Hummeldaten gewonnen.

Arbeitsschwerpunkte Lanius

Im Arbeitsgebiet von Lanius hat sich die letzten Jahre Wolfgang Schweighofer um die Hummelkartierung angenommen und ca. 1000 Daten beigesteuert. Wenn auch die Datenlage in Niederösterreich überdurchschnittlich gut ist, gibt es doch immer wieder Neues zu entdecken. An Spitzenfunden der letzten Jahre können z.B. die Entdeckung der in Mitteleuropa vom Aussterben bedrohten Deichhummel (Bombus distinguendus) an verschiedenen Orten des Waldviertels, darunter auch ganz im Süden bei Pöggstall, oder ein brandaktueller isolierter Neufund der seltenen Heidehummel (Bombus jonellus) im südlichen Waldviertel beim Spielberger Moor genannt werden.

Gute Hummelhabitate liegen aber etwa auch auf blumenreichen Wiesen der Randalpen oder in der subalpinen Stufe der niederösterreichischen Kalkalpen. Generell können Hummeln aber überall gefunden werden, insbesondere auch in naturnahen Hausgärten.

Somit ergeht der Aufruf an die Lanius-Mitglieder, ebenfalls Hummeldaten in ihrem Aktionsraum zu erheben und diese weiterzumelden, im Idealfall direkt auf der Meldeplattform von www.naturbeobachtung.at . Die Betreiber der gesamtösterreichischen Hummelkartierung freuen sich über jede einzelne Meldung.

Bei Fragen oder Schwierigkeiten, in Einzelfällen auch bei Bestimmungsfragen, kann man sich an Wolfgang Schweighofer wolfg.schweighofer(at)gmx.at wenden.

Stand 27.5.2020

Bergwaldhummel Drohn
(Bombus wurflenii)

Heidehummel
(Bombus jonellus)

Deichhummel Drohn
(Bombus distinguendus)

Utissenbach

„Waldumbau Utissenbach“

Kurzbeschreibung:

Seit vielen Jahren hat sich Peter Kastner, Besitzer einer alten schön restaurierten Mühle in Utissenbach am Kamp, bemüht, die früher zur Mühle gehörenden Grundstücke und auch andere Waldparzellen in seiner Umgebung zu erwerben. Dabei ist es sein Ziel, bei anstehenden Erneuerungen der Bestockung Baumarten der am jeweiligen Standort wahrscheinlichen natürlichen Waldgesellschaft wieder einzubringen. Auf den meisten Flächen überwiegen heute Fichte und Weißkiefer und die von Natur aus vorherrschenden Rotbuchen und Weißtannen gibt es nur mehr an wenigen Stellen.

Wichtige Maßnahmen-Schwerpunkte: 

Die FG Lanius wurde erstmals 2016 eingeladen, für die Wiederbewaldung einer gerade zuvor erworbenen Kahlfläche am Kamp einen Plan für die Neuaufforstung zu erstellen. Auf den flussnahen tieferen Teilen wurden 2017 Schwarzerlen, Weiden, Bergahorn und Traubenkirschen gepflanzt, auf den höheren Flächenteilen Rotbuchen und Weisstannen. Die Fläche wurde gegen Wildverbiss gezäunt. Sie hat sich seitdem sehr gut entwickelt.

2019 entstand durch Borkenkäferbefall auf einer nach dem letzten Weltkrieg mit Fichte und Weisskiefer aufgeforsteten ehemaligen Ackerfläche am Kamp eine kleinere Kahlfläche mit angrenzenden lückigen Waldteilen. Diese ebenen Flächen grenzen an einen Steilhang, auf dem es noch einige große Tannen und Rotbuchen gibt. Eine genaue Besichtigung der aufgeforsteten Ackerfläche und nunmehr lückigen ebenen Teile ergab, dass es dort im hangnahen Teil viele durch natürliche Verjüngung entstandene kleine Buchen und Tannen gab.

Es wurde nun ein Plan entwickelt, der die Aufforstung des Kerns der großen Lücke mit Stieleichen vorsieht. Dieser Kernteil wird mit Rotbuchen umgeben. Am Fluss werden Bergahorn, Schwarzerlen und Bruchweiden gepflanzt, in den übrigen aufgelichteten Teilen werden nur dort Rotbuche und Tanne eingebracht, wo keine natürliche Verjüngung dieser Baumarten vorhanden ist.

Die Pflanzung aller dieser Bäumchen war für das Frühjahr 2020 vorgesehen. Der dafür vorgesehene Arbeitstrupp kam bedingt durch die Coronavirus-Krise im Frühjahr dieses Jahres nicht zum Einsatz. So wird wohl erst im kommenden Herbst oder im Frühjahr 2021 alles durchgeführt werden, was wir geplant haben.

LANIUS-Projektteam:

Hans-Peter Lang, Erhard Kraus

Stand: 15.05.2020

Steinkrebs

Kurzbeschreibung:

Der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) ist eine von drei in NÖ heimischen Flusskrebs-Arten. Im Gegensatz zum ebenso schwer gefährdeten Edelkrebs (Astacus astacus) lebt der kleinere und hellere Steinkrebs in den Oberlaufregionen kleiner Bäche, die völlig frei von kommunalen Abwässern oder Nährstoffeinträgen sein müssen. Die von ihm besiedelten kleinen Bäche sind daher immer in Waldgebiete eingebettet und liegen zumeist abseits von Siedlungen. Neben der Nährstoffbelastung ist vor allem das stetig weitere Vordringen des nicht heimischen, aus Nordamerika stammenden und in den Siebzigerjahren mit Förderung des Landwirtschaftsministeriums angesiedelten Signalkrebses (Pacifastacus leniusculus), der als Überträger der Krebspest fungiert, ein wichtiger Gefährdungsfaktor.

Nachdem sich in den letzten Jahren gezeigt hat, dass die isolierten, zahlenmäßig sehr überschaubaren Vorkommen des Steinkrebses dramatisch geschrumpft sind (R. Pekny, mdl.) hat sich die FG LANIUS entschlossen, die wenigen bekannten Vorkommen dieser extrem gefährdeten Spezies im Raum Hiesberg und Wachau in den nächsten Jahren einem systematischen Monitoring zu unterziehen.

Schutzstatus:

FFH-Anhang II und IV
Rote Liste (NÖ): Kat. 2, stark gefährdet

Wichtige Maßnahmen-Schwerpunkte: 

  • Systematische der Erhebung der Steinkrebsvorkommen am Hiesberg und in der Wachau
  • Allenfalls Ausdehnung der Steinkrebs-Suche auch in Nachbargebiete (Dunkelsteinerwald, südliches Waldviertel, Teile des Mostviertels) in den Folgejahren
  • Fotografische Dokumentation

Durchgeführte Teilprojekte:

  • Vorerhebung 2019 in den Verdachtsgebieten am Hiesberg (Erhard Kraus & Wolfgang Schweighofer)
  • Einzelfunde Wachau (David Jaros, Hannes Seehofer)

LANIUS-Projektteam:

Erhard Kraus, Wolfgang Schweighofer, David Jaros, David Paternoster, David Ramler, Hannes Seehofer, Klaus Teichmann

Stand: 21.04.2020

Stadt St. Pölten

Kurzbeschreibung:

Seit der Gründung der Forschungsgemeinschaft LANIUS im Jahr 1990 waren der Naturschutz im Bereich der Stadt St. Pölten immer ein wichtiges Anliegen für unseren Verein. Als aufstrebende und expandierende Landeshauptstadt im biogeographisch interessanten nordöstlichen Alpenvorland, am Fluss Traisen gelegen, besteht im über 100 km2 großen Stadtgebiet zunehmend die Gefahr, letzte ökologisch bedeutsame Naturräume zu verlieren.

Der derzeitigen Strategie der Stadtregierung St. Pölten wirtschaftlich, infrastrukturell und touristisch voranzutreiben, fehlen leider jegliche Ansätze zum Umwelt-, Arten- oder Klimaschutz (siehe Strategiepapier „Zukunftsraum St. Pölten, Ausgabe 2020“).

Als wichtige Arbeitsgrundlage für die Erhaltung der Biodiversität im Stadtgebiet kann die Biotopkartierung „Biotopkartierung St. Pölten (2003)dienen. Aufbauend auf dieser LANIUS Studie hat die FG LANIUS in den letzten 20 Jahren die Mehrzahl der wertvollsten Biotope ehrenamtlich kartiert und Berichte (siehe unten)  für die Stadt erstellt.

Naturschutzfachlich besonders hervorzuheben ist der ehemalige Truppenübungsplatz (GÜPL) bei Völtendorf. Die Erhaltung der enormen Biodiversität dieses Areals ist prioritäres Ziel von LANIUS. Nachdem die Stadt St.Pölten nach langjährigem Rechtsstreit seit 2019 Eigentümerin des Gebietes geworden ist, entscheidet sich in den kommenden Jahren die Zukunft der Naturfläche. Schlagwörter wie „Aufforstungsoffensive am GÜPL“, Freizeitnutzung oder landwirtschaftliche Nutzung in den Medien verdeutlichen die möglichen Bedrohungen für diesen „Biodiversitäts Hotspot“.

Hauptziel des Vereines ist der Erhalt dieser letzten naturnahen Flächen und der verbliebenen Biodiversität im Stadtgebiet.

Weitere Aktivitäten für die Stadt waren/sind die Durchführung und Unterstützung von Pflegemaßnahmen (z.B. Östlicher Wagram, Brunnenfelder in Spratzern und Harland), Gestaltung der Besucher -Tafeln Nadelbach und Viehofner Seen, Exkursionen im Rahmen der städtischen „Naturspaziergänge“ u.a.

Aktuell ist die FG LANIUS Partner der Initiative „Klimahauptstadt 2024“ (www.klimahauptstadt2024.at).

Durchgeführte Projekte und Publikationen:

1992                GÜPL Völtendorf
1994                Nadelbach
1995                Spratzender Brunnenfeld
1996                Feldmühle
1997                Parkkartierung
1997                Sparkassenpark
1997                Specht Kartierung
1999                Salzer Au
2000                Harlander Brunnenfeld
2001-2002        Biotoperhebung GÜPL Völtendorf
2003                Biotopkartierung
2004                Viehofner Kogel
2004                Viehofner Seen
2005                Wörth - Steinfeld
2006                Kopalkaserne
2007                Steinfeldbach
2009                Östlicher Wagram
2010/11            Traisen
2011                Fledermausprojekt
2012                Übersicht - Vogelwelt im Stadtgebiet
2015                Amphibienkartierung
2016/17           Orchideenerhebung (aus Gründen des Artenschutzes wird der Bericht
.                      nicht veröffentlicht)
2018/19           Friedhof - Vogelwelt

Weitere Erhebungen vom GÜPL Völtendorf sind im Projekt „GÜPL Völtendorf" zu finden.

Empfehlungen, Stellungnahmen und Anträge:

1997                Naturschutzforderungen für St. Pölten
2005                NDM Hart_Wörth (Medienservice St.Pölten)
2006                NDM Antrag St.Pölten für den GÜPL
2011                NDM Antrag St. Pölten für den GÜPL
2015                Stellungnahme zur geplanten Befischung Viehofner Seen
2017                Stellungnahme zum Krähenabschuss
2018                Brief an Stadt zum geplanten Spartan Race
2018                Naturschutzforderungen 2018 für St.Pölten
2019                Angebot zur Fachexpertise GÜPL
2019                Empfehlungen zur Routenführung Spartanrace
2019                NDM-Antrag Harlander Au
2019                Stellungnahme mit Empfehlungen zum Spartan Race 19
2019                Stellungnahme Verbauung Westlicher Wagram
2020                Anfrage an Bgm. Stadler zu Bodenverbrauch und Aufforstungsoffensive

LANIUS-Projektteam:

Markus Braun, Hannes Seehofer, Thomas Hochebner, Erhard Kraus, David Ramler

Stand: 20.04.2020

Bienenfresser

Kurzbeschreibung:

Seit Mai 2014 sind Bienenfresser als Brutvögel im Bezirk Melk bestätigt (siehe: Kraus, E. 2016, Bienenfresser im Mostviertel auf dem Vormarsch, LANIUS-Information 25/1-2, 2016). Die aktuell 7 Brutvorkommen liegen gehäuft im Bereich der Quarzsandgruben der Melker Sande in den Gemeinden Loosdorf und Melk und haben sich in den letzten Jahren bei einem Gesamtbestand von etwa 35-40 Brutpaaren konsolidiert. Lediglich im Jahr 2016 kam es zu einem Brutversuch und einer erfolgreichen Brut (2 Brutpaare) an Steilufern der Pielach, welche bislang – vermutlich aufgrund der hohen Störquellen durch Freizeitnutzung – keine Fortsetzung fanden.

Schutzstatus:

Rote Liste (NÖ): Kategorie III - gefährdet

Wichtige Maßnahmen-Schwerpunkte: 

  • Jährliche Erhebung der bekannten Brutvorkommen im Quarzsandgebiet
  • Kontaktpflege mit den Grubenbetreibern (Quarzwerke AG, Xella Porenbeton Österreich GmbH)
  • Durchsetzung der Vogelschutzziele im Naturschutzgebiet Pielach-Ofenloch-Neubacher Au
  • Fotografische Dokumentation
  • Arbeitsberichte

Durchgeführte Teilprojekte:

  • Extensives jährliches Bienenfresser-Monitoring in den Quarzsandgruben
  • Vereinbarung des Betretungsrechtes in den Abbaugebieten mit Sicherheitseinweisung durch die Betriebe
  • Anpassung des Abbaubetriebes an das Brutgeschehen (soweit möglich)
  • Regelmäßiger Informationsaustausch mit der Naturschutzbehörde (BH Melk)

LANIUS-Projektteam:

Erhard Kraus, Wolfgang Schweighofer

Stand: 15.04.2020

Huchen

Kurzbeschreibung:

Der Huchen (Hucho hucho) ist ein in Europa endemischer, großwüchsiger Salmonide, der im Europaschutzgebiet NÖ Alpenvorlandflüsse an Pielach, Melk, Mank, Ybbs und Donau eines der wichtigsten Vorkommen in Österreich hat. Deshalb hat die Forschungsgemeinschaft LANIUS beschlossen dieser Fischart besonders an Melk und Mank, den zwei kleineren und durch frühere Regulierungen und sommerliche Temperaturerhöhung (Klimawandel) stark betroffenen Huchenflüssen besondere Beachtung zu schenken. Schutz- und Fördermaßnahmen sollen auf den Weg gebracht, die Zusammenarbeit mit den Fischereibewirtschaftern und Fischerei-Organisationen zugunsten des Huchenschutzes soll verbessert werden.

Schutzstatus des Huchen:

FFH Anhang II und IV
Erhaltungszustand laut Art. 17 Bericht 2007-2012: schlecht (U2)
Rote Liste (NÖ): Vom Aussterben bedroht (Mikschi & Wolfram-Wais 1999)

Wichtige Schutzmaßnahmen: 

Strukturierung und Durchgängigkeit

  • Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensraumstruktur des Huchens und seiner Futterfische
  • Evaluierung der Fischdurchgängigkeit bestehender Anlagen
  • Verbesserung Anbindung Seitenbäche

Beschattung und Ufervegetation

  • Weitgehender Erhalt und natürlich Entwicklung der Ufervegetation, vor allem Mank (konservativ)
  • Entwicklung von Ufervegetation in derzeit nicht oder kaum beschatten Bereichen (z.B. hohe Bäume an der Böschungsoberkante), vor allem an Melk (innovativ)
  • Gewässer-Pflege- und Entwicklungskonzept für Melk und Mank

Immissionen 

  • Entwicklung Gewässerrandstreifen (aktuelles Förderinstrument Landwirtschaft) zur Reduktion von oberflächlichen Einträgen aus der LW
  • Reduktion der Nährstoffaustrags aus der Landwirtschaft (über ländliche Entwicklung: Aufklärung, Maßnahmenprogramme: Nutzungsänderung, geänderte Bewirtschaftung z.B. Güllekohle)
  • Verringerung der Kläranlagen-Restbelastung

Sonstiges

  • Konkretisierung und Neuformulierung des Managementplanes und der Europaschutzgebietsverordnung für das Natura 2000 Gebiet NÖ Alpenvorlandflüsse hinsichtlich des Huchenschutzes
  • Empfehlungen für eine revierübergreifende Bewirtschaftung der Huchen-Reviere (gemeinsam mit den Bewirtschaftern).

Durchgeführte Projekte:

  • Beschwerde gegen das KW Ferschnitz (Ybbs); fortlaufend --> Siehe Naturschutz & Recht - 2018: Kraftwerkt Ferschnitz (Ybbs)
  • Anteilige Förderung der Huchen-Studie von Clemens Ratschan zur Erhaltung des Huchen im FFH-Gebiet „NÖ Alpenvorlandflüsse“ (Juni 2018)  --> Gutachten
  • Mitwirkung bei Konzipierung von Habitatverbesserungsmaßnahmen an Melk und Mank (in Vorbereitung)
  • Verbesserung der Ufergehölzausstattung (Beschattung) an der Melk im Mittellauf (in Vorbereitung)

LANIUS-Projektteam:

Erhard Kraus, Georg Fürnweger, David Ramler

In Kooperation mit: Anton Lasselsberger (Huchenrevier Mank), Stefan Höfler (OeFG-Huchenrevier Melk), Clemens Ratschan, Martin Mühlbauer, Johann Nesweda (Abt. WA3)

Stand: 15.04.2020

Weißsternige Blaukehlchen

Seitens der NÖ Bundeswasserbauverwaltung wurden im Februar 2016 an der Fladnitz nach langer Zeit wieder Gewässerinstandhaltungsarbeiten mit teilweisen Räumungen der Uferböschungen und eine Mahd des ausgeprägten Schilfbestandes durchgeführt. Weil dieser Eingriff kritische Reaktionen in der örtlichen Jägerschaft (Niederwildeinstand) und beim Natur- und Vogelschutz hervorgerufen hat, wurde seitens der Abteilung Wasserbau eine Zusammenarbeit mit LANIUS gesucht. So entstand im Sommer 2016 das Projekt „Vorkommen, Habitatansprüche und Maßnahmen in der Gewässerpflege für das Weißsternige Blaukehlchen (Luscinia svecica cyanecula) an Fließgewässern im nö. Alpenvorland“, in welchem die Auswirkungen der Gewässerpflege auf den Bestand des Weißsternigen Blaukehlchens festgestellt werden sollen. Als Referenzgewässer, an welchem bislang keine Pflegemaßnahmen durchgeführt wurden, dient der Hürmbach.

⇒ Bericht Lanius Info 2017

Zelkinger Teich

Der Zelkinger Teich im Bereich des ehemaligen Sandabbaues der Quarzwerke AG hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte zu einem der ökologisch bedeutendsten Stillgewässer im gesamten Mostviertel entwickelt (👉 Naturschutzkonzept), steht derzeit wegen Untätigkeit der Naturschutzbehörden aber vor dem völligen Niedergang durch anhaltende Verlandungsprozesse im Zuge natürlicher Sukzession.

Langjährige und intensive Bemühungen der Forschungsmeinschaft LANIUS (z. B. Pflegeinsatz im Jahr 2013) dieses Naturschutz-Kleinod im Bezirk Melk zu retten, haben sich damit als erfolglos erwiesen. Weder eine Wasserzufuhr aus dem Wald-Einzugsgebiet (mangels Schüttung) noch eine jährliche künstliche Wasserzufuhr durch Grund- oder Flusswasser (z.B. im Frühjahr bei höherer Wasserführung der Melk) zwecks Dotierung konnten umgesetzt werden. Auch eine Baggerung von kleinen Überlebenstümpeln für die Not leidenden Amphibien wurde seitens des Geschäftsführers der Quarzwerke AG abgelehnt. Daher ist der Hauptgrund für das Scheitern auch in der Verweigerungshaltung der Geschäftsleitung dieses Betriebes zu sehen, die keinerlei Ambitionen hat, dieses wertvolle Feuchtbiotop zu erhalten.

Die vor einigen Jahren illegal eingesetzten Karpfen, die wegen anhaltender Trockenheit zunehmend bedroht waren, wurden im Vorjahr durch eine seitens der Naturschutzbehörde veranlasste Rettungsaktion großteils abgefischt und in andere Gewässer verbracht. Tausende Individuen von Kammmolchen, anderer Amphibienarten und Libellen, die den überregionalen Naturschutzwert des Gebietes ausgemacht haben, dürften jetzt aber mit Duldung der Bezirksnaturschutzbehörde und wegen des Desinteresses des Eigentümers dem Tode geweiht sein. Ein Sittenbild des Naturschutzes in Niederösterreich ist auch der Umstand, dass sowohl die Naturschutzabteilung des Landes, als auch die Landes-Umweltanwaltschaft zu all dem schweigt.

Lanius-Projektteam:

Erhard Kraus, Wolfgang Schweighofer, Georg Fürnweger

GÜPL Völtendorf

Kurzbeschreibung:

Das ehemalige militärische Panzerübungsgelände bei St.Pölten ist ein Naturjuwel in unmittelbarer Nähe der Landeshauptstadt St.Pölten. Mit 200 ha weist es eine Fülle von unterschiedlichen Lebensräumen auf, wobei das Kernstück eine 30 ha große Brache  darstellt, welche mit hunderten von den Kettenfahrzeugen geschaffenen Tümpel übersät ist.

Die FG LANIUS ist seit den späten 90er Jahren am GÜPL faunistisch und floristisch tätig. So wurde in den Jahren 2001 – 2002 eine Biotoperhebung durchgeführt, der viele weitere Erhebungen folgten. Seit über 10 Jahren kämpft die FG LANIUS gegen den Bau der Schnellstraße S34 und bringt sich kritisch mit naturschutzfachlichem Detailwissen in die Planungen und Prüfungen dieses Bauvorhabens ein.

Für die Stadt St.Pölten, seit 2019 Grundeigentümerin des Areals, ist die FG LANIUS seit 20 Jahren Ansprechpartner für Nutzungs- und Schutzkonzepte   --> Faktenlage zum GÜPL

Schutzstatus:

Zahlreiche Schutzgüter gemäß FFH Anhang II und IV, sowie nationaler Richtlinien
--> Übersicht Schutzgüter

Durchgeführte Projekte und Publikationen:

2001 – 2002     Biotoperhebung
2006                Nutzungskonzept
2008                Erhebung Gelbbauchunke und Laubfrosch
2013                Tümpel- und Röhrichtkartierung
2014                Kammmolch Erhebung
2015                Bodenkundlicher Bericht
2015                Erhaltungszustand
2016                Fledermauserhebung

Stellungnahmen und Anträge an die Stadt St.Pölten und das Land NÖ:

2006                NDM Antrag St.Pölten
2010                Beschwerde an NÖ Naturschutzabteilung wegen Umwidmung
2011                NDM Antrag St.Pölten
2012                NDM Antrag St.Pölten
2013                Fachgutachterliche Stellungnahme zum Antwortschreiben des Amts der
                       Niederösterreichischen Landesregierung
2015                Stellungnahme zum Fachgutachten
2019                Angebot zur Fachexpertise

Stellungnahmen und Beschwerden zum S34 Schnellstraßen Projekt:

2009    Stellungnahme zum Umweltbericht der ASFINAG
2015    Schreiben an die Bundesminister
2017    Einwendungen zum Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren „S 34 Traisental Schnellstraße“
2017    Einwendungen zum Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren „L5181, Spange Wörth“
2018    Schreiben an das Umwelt – und Verkehrsministerium
2019    Stellungnahmen zum Umweltverträglichkeitsgutachten „S 34 Traisental Schnellstraße“
2019    Stellungnahmen zum Umweltverträglichkeitsgutachten “ L5181, Spange Wörth „
2019    Beschwerde der FG LANIUS zum Umweltverträglichkeitsbescheid „S 34 Traisental Schnellstraße“
2019    Beschwerde der FG LANIUS zum Umweltverträglichkeitsbescheid „Spange Wörth“
2019    Gutachten Wachtelkönig
2019    Beweismittel Wachtelkönig

Presseberichte:

2006
2011
2012
2013
2014
2015
2016-2019

LANIUS-Projektteam:

Markus Braun, Thomas Hochebner, Erhard Kraus, Hannes Seehofer, Wolfgang Schweighofer, David Ramler

Stand: 20.04.2020