Stängel-Blattschneiderbiene Megachile genalis im Mostviertel nachgewiesen

Die Blattschneiderbiene Megachile genalis kommt zwar in einem riesigen Gebiet zwischen Spanien und Japan vor, wird aber zumindest im europäischen Areal überall sehr selten gefunden. Aus Österreich liegen über einen langen Zeitraum hinweg nur wenige verstreute Funde aus einigen Bundesländern vor.

Das Besondere an der Art ist, dass sie ihre Nester als einzige Bienenart in lebenden Pflanzenstängeln selbst anlegt. Bekannt war bisher die Nutzung vor allem von Küchenzwiebeln, einigen Doldengewächsen und der Bienen-Kugeldistel. Dazu kommt, dass die Art an gewissen Korbblütengewächsen oligolektisch ist und nur dort Pollen sammelt. Aus der Kombination dieser Ansprüche resultiert offenbar die Seltenheit dieser Art.

Kardenbestand

Kardenbestand in Melk

Kenntlich ist diese Blattschneiderbiene im weiblichen Geschlecht an einigen Merkmalen: Sie ist relativ groß, von dunkler Farbe, die Behaarung an den Thorax-Seiten und den ersten beiden Hinterleibsringen ist auffallend hell, und die weißen Tergitbinden an den Hinterleibsringen 3, 4 und 5 sind schmal und nur an den Seiten erkennbar, nicht durchlaufend. Die letzte Binde ist – im Gegensatz zu anderen ähnlichen Arten – besonders schmal und ebenfalls nicht oben durchlaufend, sondern nur an den Seiten sichtbar. Die orange Bauchbürste der Weibchen ist ohne deutlich schwarzen End-Abschnitt praktisch bis zum Ende durchlaufend. Damit könnte man die Biene bereits bestimmen, aber das wirklich eindeutige Merkmal betrifft die Mandibeln. Sie sind auffallend kräftig verstärkt und vorspringend, was ein Alleinstellungsmerkmal darstellt.

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Weibchen von Megachile genalis an Wegwarte

Ich konnte heuer im August und September die Art mit wenigen Weibchen im Firmengelände Gradwohl bei Melk feststellen. Dort befindet sich ein großer und dichter Kardenbestand. Durch gründliches Absuchen der Kardenstängel konnte ich in der Folge 3 Nester von M. genalis finden. Erhard Kraus zeigte mir dann einen noch viel größeren Kardenbestand an der Pielach bei Haunoldstein. Auch dort wurde ich fündig und sichtete bei mehreren Exkursionen bis zu 6 Weibchen und einmal sogar ein Männchen. In diesem zweiten Gebiet konnte ich sogar 6 Nester der seltenen Bienenart entdecken, was angesichts der enormen Zahl an Kardenstängeln keine leichte Aufgabe war. Pollen wurde in beiden Gebieten nur an der Wegwarte (Cichorium intybus) und an der Gemeinen Kratzdistel (Cirsium vulgare) gesammelt, die beide nur spärlich vorkamen und somit das Vorkommen von M. genalis limitierten. Andere Korbblütler wurden hingegen nicht besucht.

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M. genalis-Weibchen auf Gemeiner Kratzdistel präsentiert seine Mandibeln

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Weibchen von Megachile genalis an Wegwarte

An einem beflogenen Nest in Melk konnten spannende Beobachtungen und zahlreiche Fotos gemacht werden. Videos vom Polleneintrag und vom Eintrag geschnittener Blattstücke als Baumaterial können unter diesen Links eingesehen werden:

https://youtu.be/ohXjXVC–IM

https://youtu.be/_yiEv20_ubA

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Beflogener Nesteingang in einem Kardenstängel in 1,5m Höhe

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Weibchen von M. genalis trägt ein gerolltes Stück eines Haselblatts als Baumaterial für eine neue Brutzelle ein

Kennt man einen größeren Kardenbestand, in dessen Umfeld Wegwarten und Gemeine Kratzdistel vorkommen, so kann man mit dem Fund der Biene spekulieren. Die Fundorte der Stängel-Blattschneiderbiene können erhalten werden, indem man gezielt Maßnahmen zum Erhalt der Karden, aber auch der Pollensammelpflanzen setzt.

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Spuren der Tätigkeit von M. genalis an einem Haselstrauch

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Weibchen von M. genalis kehrt mit Wegwarten-Pollenladung zum Nest zurück

Wolfgang Schweighofer, 7.9.2021

Goldfarbene Langhornbiene (Eucera pollinosa) in Melk nachgewiesen

Die Goldfarbene Langhornbiene ist eine im Mittelmeerraum weit verbreitete Bienenart. In Mitteleuropa hingegen gehörte sie seit den Funden von Pittioni im Osten Östereichs in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu den größten Raritäten und blieb in der Folge für etwa 60 Jahre verschollen.

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Goldfarbene Langhornbiene (Eucera pollinosa) ♂, Melk 12.6.2021

Erst im neuen Jahrtausend begann sich die Biene wieder im östlichen Pannonikum auszubreiten und hat dort ihre Vorkommen im Zuge des Klimawandels deutlich verdichtet.

Ohne Zweifel gehört die Goldfarbene Langhornbiene zu den spektakulärsten Erscheinungen in der heimischen Bienenwelt. Sie ist schon einmal durch ihre bedeutende Größe – in etwa im Bereich der Honigbiene – und durch die langen Fühler der Männchen sehr auffallend. Dazu kommt die einheitliche rötlich-braungelbe, filzige Behaarung, die allerdings bei den kurzlebigeren Männchen relativ rasch ausbleicht. Im Feld fallen auch die rasanten und ausdauernden Patrouilleflüge der Männchen, die ständig auf der Suche nach Weibchen sind, auf. Diese finden vor allem im Bereich der Pollenfutterpflanzen der Weibchen statt. Die Goldfarbene Langhornbiene ist oligolektisch auf Schmetterlingsblütlern, das heißt, die Weibchen sammeln nur auf rotviolett blühenden Wicken, Platterbsen sowie auf dem Esparsetten- oder Langfahnen-Tragant. In Vorkommensgebieten sollte der Boden sandig sein, da diese Bienen ihre Nester nur im Sandboden anlegen.

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Goldfarbene Langhornbiene (Eucera pollinosa) ♀, Melk 12.6.2021

Im Firmengelände einer kleinen Fabrik in der Nähe von Melk treffen die genannten Bedingungen eigentlich perfekt zu. Das Betriebsgelände wurde vor einigen Jahren in Zusammenarbeit mit „Voitsauer Wildblumensamen“ gestaltet, wobei viele pannonische Raritäten, darunter auch zahlreiche Schmetterlingsblütler wie etwa der Esparsettentragant (Astragalus onobrychis), flächig angesiedelt wurden. Diese floristische Gestaltung hatte in der Folge auf die Ansiedlung seltener Wildbienenarten beachtliche Auswirkungen.

Bereits im letzten Jahr konnten spät im Juli zwei stark abgeflogene Weibchen von Eucera pollinosa entdeckt werden, die auf den großen Blüten von Breitblatt-Platterbse (Lathyrus latifolius) sammelten. Vor wenigen Tagen konnte ich dieses Vorkommen bestätigen. Etwa 10 Goldfarbene Langhornbienen – in der Mehrzahl Männchen – flogen im Bereich frisch aufblühender Pflanzen des Esparsetten-Tragants.

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Esparsetten-Tragant (Astragalus onobrychis), Melk 12.6.2021

Damit ist diese südliche Bienenart im Westen Niederösterreichs angekommen und Melk markiert also die aktuelle Nordwestgrenze der mitteleuropäischen Verbreitung. Man wird sehen, ob sich die Goldfarbene Langhornbiene in den nächsten Jahren weiter bei uns ausbreiten kann. In Frage kommen Wärmegebiete wie etwa der Kleinpöchlarner Rindfleischberg, wo größere Bestände der Feinblatt-Vogelwicke (Vicia tenuifolia) bereits auf die goldenen Bienen warten.

Literatur (mit Verbreitungskarte von Eucera pollinosa in Österreich): https://www.zobodat.at/pdf/BEF_20_0177-0198.pdf

Wolfgang Schweighofer, 14.06.2021

Weitere Zunahme des Bienenfressers im westlichen Niederösterreich

Der früher in Österreich seltene Bienenfresser hat sich in den letzten Jahrzehnten im pannonischen Raum praktisch flächendeckend ausgebreitet und ist dort faunistisch keine Besonderheit mehr.

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Bienenfresser (Merops apiaster) ♂, Melk 2.6.2021

In den letzten Jahren hat sich die Art auch im Bezirk Melk mit einigen kleineren bis mittelgroßen Kolonien etabliert, die von Mitgliedern der FG Lanius alljährlich kontrolliert werden. Während bisher die Vorkommen in Sandgruben des östlichen Bezirksteils konzentriert waren, konnte nun erstmals auch im unteren Erlauftal ein brutverdächtiges Paar festgestellt werden. Mit weiteren Ansiedlungen ist in den kommenden Jahren zu rechnen. Daher sollten künftighin vorhandene Aufschlüsse, besonders im Bereich von Abbaugruben, Materialgewinnungen u.Ä. auf das Vorhandensein von Bienenfressern überprüft und allfällige Funde gemeldet werden.

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Bienenfresser (Merops apiaster) mit Hornissen-Königin (Vespa crabro), Melk 2.6.2021

Der Bienenfresser ist wohl der farbenprächtigste bei uns heimische Brutvogel und ist somit für Fotografen prinzipiell eine Herausforderung. Freilich ist es nicht so einfach, eine geeignete Örtlichkeit dafür zu finden. Brutkolonien liegen oft in Naturschutzgebieten oder privaten Arealen und grundsätzlich ist eine Störung der geschützten Vögel zu vermeiden bzw. verboten. Außerdem ist eine Erlaubnis des Grundbesitzers einzuholen. Mitglieder der FG Lanius haben eine geeignete Kolonie ausfindig gemacht und das Einvernehmen mit dem Grundbesitzer hergestellt. Ein professionelles Vorgehen ist bei der Errichtung des Fotosettings unbedingt notwendig. So müssen Sitzunterlage und Tarnzelt während der Nachtstunden aufgestellt werden. Das Tarnzelt muss bereits in den frühen Morgenstunden, vor dem Aktivwerden der Bienenfresser, besetzt werden. Nur ein störungsfreies Ambiente für die Bienenfresser ermöglicht letztlich erstklassige Bilder und garantiert, dass die Vögel ungestört dem Brutgeschäft nachgehen können!

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Bienenfresser (Merops apiaster) Kopulation, Melk 31.5.2021

Die empfindlichsten Störungen an den Brutplätzen verursachen Fotografen und Beobachter, die ohne entsprechende Vorkehrungen die Vögel direkt an der Brutwand beobachten und fotografieren wollen. Daher soll unbedingt ein ausreichender Sicherheitsabstand eingehalten werden. Dann kann man das interessante Verhalten der schönen Vögel ohne schlechtes Gewissen beobachten.

Erste fotografische Ergebnisse zum Bienenfresser aus dem Bezirk Melk liegen nun vor.

Wolfgang Schweighofer, 14.06.2021

Beringter Fischadler aus Finnland machte „Jausenpause“ in Wörth/Pöchlarn

Da staunte unser Lanius-Mitglied Werner Gamerith nicht schlecht, als er in einem Foto-Hide im Gelände des Schotterwerks Lasselsberger saß und plötzlich ein Fischadler vor seinem Kameraobjektiv auf einer Schlammbank landete, um einen eben gefangenen Fisch zu verspeisen.

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Der Greifvogel war am 26. April 2021 offensichtlich am Heimzug aus Afrika, als er im Nibelungengau Zwischenstation machte. Wie die Fotos zeigten, war der Adler farbberingt, der gelbe Ring trug die Aufschrift NNC. Eine Konsultation der internationalen Farbring-Website enthüllte schnell, dass der Vogel aus Finnland stammen musste.

Inzwischen sind die Beringungsdaten aus Finnland eingetroffen. Der Fischadler mit dem wissenschaftlichen Ring Helsinki M69737 und dem Ablesering yellow NNC wurde am 16.7.2019 als Nestling in Mänttä-Vilppula im zentralen Südfinnland, 1640 km vom Ableseort entfernt, beringt. Die finnische Seenplatte bietet hervorragende Bedingungen für Fischadler und demgemäß beherbergt Finnland die größte Fischadler-Population der Europäischen Union. In Österreich hingegen brüten aktuell (noch?) keine Fischadler. Unser Fischadler NNC dürfte auf seinem ersten Heimzug gewesen sein, denn das erste Jahr verbringen die Fischadler in ihrem Überwinterungsgebiet in Afrika. Daher hatte der Greif auch bisher keine weiteren Ablesungen aufzuweisen.

Inzwischen wird NNC bereits in seiner Heimat eingetroffen sein und sich dort nach einem geeigneten Brutplatz umsehen.

Schweighofer, 22.5.2021

Naturschutzerfolg am Kleinpöchlarner Rindfleischberg: Schneckenhaus-Harzbiene umgesiedelt

Die Schneckenhaus-Harzbiene (Rhodanthidium septemdentatum) galt lange Zeit bis in die 2000er Jahre als eine der größten Kostbarkeiten der heimischen Bienenfauna. Ursprünglich schwerpunktmäßig im submediterranen Raum beheimatet, wurde sie jedoch zu einem der großen Klimagewinner und konnte sich zuletzt vor allem im pannonischen Raum deutlich ausbreiten sowie ihre Vorkommen verdichten. Als Bewohnerin heißer Felssteppen hat sie beispielsweise im Wachauer Terrassenweinbau eine neue Heimat gefunden. Während aus Oberösterreich noch keine Funde vorliegen, hat die attraktiv gezeichnete große Biene den Weg in den Nibelungengau schon vor Jahren über die Bahntrasse der Donauuferbahn gefunden.

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Eine Schneckenhaus-Harzbiene (Rhodanthidium septemdentatum) legt eine Rastpause an der Trockenmauer ein. Gut zu sehen ist der Pollen-Salbeistempel am rückwärtigen Teil des Brustabschnitts. Kleinpöchlarn, 11.5.2021

Die Harzbiene nistet in leeren Gehäusen der Wiener Bänderschnecke (Cepaea vindobonensis). Diese findet sie in Felsspalten, heißen Klaubsteinhaufen, Trockensteinmauern und eben im Gleisschotter der Donauuferbahn. Stellenweise war hier die Art in den vergangenen Jahren regelmäßig und häufig anzutreffen, etwa in Emmersdorf oder bei Kleinpöchlarn. Dabei bevölkerte sie vor allem Stellen am Gleiskörper, wo blumenreiches Grünland an den Bahnkörper angrenzte wie etwa bei der bekannten „Leinwiese“ am Kleinpöchlarner Rindfleischberg. Dort konnte sie ausreichend Nektar und Pollen gewinnen, vorzugsweise am Wiesensalbei oder an Schmetterlingsblütlern wie Hufeisenklee, Hornklee oder Esparsette.

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Schneckenhaus-Harzbiene (Rhodanthidium septemdentatum) patrouilliert über einem in einer Mauernische gelagerten Schneckenhausdepot. Kleinpöchlarn, 11.5.2021

Vor ein paar Jahren jedoch wurde der Bahnbetrieb auf der Donauuferbahn kurz vor ihrem 100. Geburtstag eingestellt. Der Gleiskörper wurde abgetragen und der Gleisschotter flachgewalzt. Dabei dürften wohl die meisten leeren Schneckenhäuser im Bahnkörper zerstört worden sein. Zuvor schon wurde im zentralen Rindfleischberg-Südhang über Privatinitiative eine neue Trockensteinmauer errichtet. Ich habe die Gelegenheit genutzt und einige Sackerl voll leerer Schneckenhäuser in der Umgebung, aber auch in den Weinbergen von Spitz gesammelt. Diese Schneckenhäuser platzierte ich in den Fugen der neu entstandenen Mauer. Auch andere Personen sammelten zusätzliche Schneckenhäuser.

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Schneckenhaus-Harzbiene Männchen (Rhodanthidium septemdentatum) rastet auf einem Schneckenhaus der Wiener Bänderschnecke (Cepaea vindobonensis). Kleinpöchlarn, 11.5.2021

Nach zwei Jahren kann man sagen: Die Aktion wurde ein voller Erfolg. Dieser Tage wimmelt es an der Mauer bereits von frisch geschlüpften Schneckenhaus-Harzbienen und die ersten Weibchen tragen bereits Pollen in die leeren Schneckenhäuser ein. Diesen ernten sie auf der vorgelagerten Salbeiwiese. Der Bestand solcher Magerwiesen ist zu einem beträchtlichen Teil der verdienstvollen Tätigkeit unseres umtriebigen Naturschutzexperten Reinhard Kraus zu verdanken.

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Schneckenhaus-Harzbiene Weibchen (Rhodanthidium septemdentatum) trägt Salbeipollen in der Bauchbürste ins auserwählte Schneckenhaus ein, um eine Brutzelle zu verproviantieren. Kleinpöchlarn, 11.5.2021

In den nächsten Jahren ist zu erwarten, dass die Biene weitere inzwischen freigestellte oder neu errichtete Mauern besiedeln wird. Das ist jedenfalls ein Erfolg für den Artenschutz: Das Ende der Donauuferbahn wurde nicht zum Ende der Schneckenhaus-Harzbiene!

11.5.2021, Wolfgang Schweighofer

Die Zweizellige Sandbiene als Gartenbewohner

Am selben Tag, als ich die Schwarze Mörtelbiene entdeckte (28.4.2021), habe ich auch wieder die ersten Zweizelligen Sandbienen (Andrena lagopus) in meinem Garten beobachten können. Der Name der kleinen Sandbiene leitet sich von der Eigenschaft her, dass sie in ihrem Flügelgeäder als einzige der vielen Sandbienenarten nur 2 Kubitalzellen hat, die anderen Arten haben 3 – ein gutes Bestimmungsmerkmal, das aber auch den Fang des Tieres und eine gute Lupe voraussetzt.

Man kann die Tiere aber auch ohne Fang leicht bestimmen, denn Andrena lagopus gehört zu den oligolektischen Arten, das heißt, sie gewinnt Pollen und Nektar für die Nestverproviantierung ausschließlich von Kreuzblütengewächsen, vor allem von gelbblühenden Arten wie Ackersenf, Barbarakraut oder Rauken-Arten, aber auch von Wiesen-Schaumkraut. Dazu kommt dann noch die ansprechende Färbung der frischen Weibchen mit ihrer orangebraunen Thoraxbehaarung, den ebenso gefärbten Tergitendbinden und der hellbraunen Endfranse am Hinterleibsende. Die schlanken Männchen sind unscheinbarer und bleichen rasch aus. Die adretten Bienen werden nur 8 bis 10 Millimeter groß, fallen aber durch ihre kontrastierende Färbung auf den gelben Blüten schnell auf.

Zweizellige Sandbiene (Andrena lagopus) Weibchen. Artstetten, 30.4.2021

Diese Bienenart war ursprünglich in Österreich nicht heimisch. Erst 1984 wurde sie von dem Sandbienen-Spezialisten F. Gusenleitner im Neusiedlerseegebiet erstmals entdeckt. Seither hat sie sich im pannonischen Raum und auch in weiten Teilen Deutschland stark ausgebreitet. Die Art ist wärmeliebend und bevorzugt Gebiete mit Sand- oder Lössböden. Man nimmt an, dass zur Ausbreitung auch der verstärkte Anbau von Raps beigetragen haben könnte.

Wie weit Andrena lagopus im westlichen Niederösterreich bereits verbreitet ist, ist mir nicht bekannt. Allerdings habe ich sie in meinem Garten schon vor einigen Jahren entdeckt. Am unteren Ende einer Steinstiege aus Granitplatten, die in meinen Garten führt, wachsen seit vielen Jahren einige Pflanzen des Gemeinen Barbarakrauts (Barbarea vulgaris) und ich schaue darauf, dass diese Gewächse wohlbehütet übers Jahr kommen und aussamen können. Die hübschen Pflanzen würden wohl von vielen anderen Gartenbesitzern als Unkraut betrachtet und abgemäht werden. Bei mir aber finden sich jedes Jahr einige der hübschen kleinen Andrenen ein.

Gemeines Barbarakraut (Barbarea vulgaris) im Garten des Autors. Artstetten, 30.4.2021

Ich kann mich auf die Steinstiege setzen und den fleißigen Weibchen beim Pollensammeln zusehen. Die fürwitzigen Männchen rasen in tollkühnem Flug um die Blütenstände des Barbarakrauts und versuchen mit gewalthaften Landungen, die Weibchen zu einem schnellen Liebesakt zu verführen. Diese haben aber kein Interesse mehr dafür, weil sie bereits für die Versorgung der Nachkommen arbeiten.

Paarungsversuch bei Andrena lagopus. Artstetten, 28.4.2021

Spannende Beobachtungen, für die aber wiederum meine hundswürstelsammelnden Nachbarn weder Zeit noch Sinn haben. Ich aber kann dafür zum Abschluss noch eine interessante Beobachtung machen: Ein Andrena lagopus-Weibchen fliegt die kleinen, weißen Blüten des Hirtentäschels (Capsella bursa-pastoris) an, einer Cruciferen-Art, die normalerweise nicht auf der Agenda der kleinen Sandbiene steht.

Weibchen von Andrena lagopus an Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris). Artstetten, 28.4.2021

Interessanterweise habe ich genau an diesem Tag auch das erste Langhornbienen-Männchen des Jahres auf einem Barbarea-Blütenstand landen sehen. Es handelte sich um die Art Eucera nigrescens, die sich normalerweise nur für Schmetterlingsblüten interessiert. In meinem Garten besucht sie seit vielen Jahren die nur auf der kleinen Böschung wachsenden Pflanzen der Saatwicke (Vicia sativa), die sich irgendwann einmal von selber hier angesiedelt hat.

Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens) Männchen. Artstetten, 28.4.2021

Saat-Wicke (Vicia sativa), Nahrungspflanze von Eucera nigrescens. Artstetten 30.4.2021

Wie toll wäre es doch, wenn sich nur 10% der Gartenbesitzer meines Ortes zu einer ähnlich naturkonformen Gartengestaltung entschließen könnten, dann hätten wir hier das reinste Bienenparadies!

Wolfgang Schweighofer, 30.04.2021

Die Schwarze Mörtelbiene im Nibelungengau

Megachile parietina gehört in Mitteleuropa zu den Kostbarkeiten der Bienenfauna. Die Art ist südlich verbreitet und war in Mitteleuropa nie häufig und auf Wärmegebiete beschränkt. Dort ist sie vielfach in den letzten Jahrzehnten ausgestorben. Von verbliebenen Reliktstandorten ausgehend, hat sich die Art in letzter Zeit besonders im östlichen Österreich im Zuge des Klimawandels wieder einigermaßen erholt. In Deutschland ist sie weiterhin extrem selten und auf handverlesene Standorte im Südwesten und Westen beschränkt bzw. wurde sie an einem Standort neu angesiedelt.

Die Art ist durch ihre bedeutende Größe sehr auffällig. Während die Weibchen durch ihre schwarze Färbung und dunklen Flügel unverkennbar sind und allenfalls mit Holzbienen verwechselt werden können, von denen sie sich aber durch ihre orange Bauchbürste unterscheiden, sind die Männchen völlig anders gefärbt. Bei ihnen sind der Rückenpelz und die ersten 3 Segmente des Hinterleibs lang rostbraun behaart. Ihr Verhalten erinnert an das von Schwebfliegen. Aufgescheucht drehen sie einige weitläufige Runden, um anschließend an ihren bevorzugten Sitzplatz an einem besonnten Felsen zurückzukehren. Die Männchen sind nur für kurze Zeit nach dem Schlupf im April zu beobachten, während die Weibchen manchmal bis Anfang Juli beim Pollen- und Nektarsammeln angetroffen werden können.

Schwarze Mörtelbiene (Megachile parietina) Weibchen beim Sammeln von Nestbaumaterial. Steinbruch Kleinpöchlarn, 10.5.2018

Diese Bienen stellen verschiedene Ansprüche an ihren Lebensraum: Die Nester werden an natürlichen Felsen, in Steinbrüchen oder an Mauern und Hauswänden gemauert. Dazu braucht die Mörtelbiene feuchtes Baumaterial, das an vegetationsfreien Stellen aufgesammelt wird. Zur Verproviantierung der Brutzellen benötigt sie außerdem großflächige blumenreiche Wiesen. Die Art gilt als polylektisch, bevorzugt jedoch deutlich Lippenblütengewächse und Schmetterlingsblütler. Ich habe die Weibchen bisher an Esparsette, Hornklee, Wiesensalbei und Lavendel beobachtet.

Schwarze Mörtelbiene (Megachile parietina) Weibchen beim Nektartrinken an Lavendel. Artstetten, 4.7.2014

Einen ausführlichen Steckbrief der Schwarzen Mörtelbiene mit Details zum faszinierenden Nestbau hat Paul Westrich veröffentlicht: https://www.wildbienen.info/steckbriefe/megachile_parietina.php

Die ersten Mörtelbienen habe ich vor etlichen Jahren am Vorplatz vor meinem Haus in Artstetten beobachtet, sie hatten wiederholt meine Lavendelbüsche besucht. Nach einigen Jahren Pause entdeckte ich Mörtelbienen am Kleinpöchlarner Rindfleischberg, zuerst beim Pollensammeln auf der „Leinwiese“, später dann beim Nestbau im Steinbruch östlich davon. Im Frühling vor 2 Jahren konnte ich dort die ersten 2 Männchen sichten, allerdings in unerreichbarer Höhe.

Bedauerlicherweise soll nun der aufgelassene Steinbruch trotz des bekannten Vorkommens zahlreicher seltener und geschützter Arten (in einem Europaschutzgebiet!) in ein Betriebsgebiet umgewandelt werden. Daher wurden letzten Winter Sicherungsarbeiten durchgeführt, wobei unerwarteterweise ausgerechnet die beiden mir bekannten Mörtelbienennester hoch oben in den Felsen zerstört wurden. Ein Kommentar erübrigt sich.

Umso erfreulicher war nun die Tatsache, dass schon im letzten Jahr eine weibliche Mörtelbiene nach mehrjähriger Pause wieder auf meinem Grundstück auftauchte und an Hornklee sammelte. Meine Vermutung, dass die Art durch die Neuanlage der überall stark aufkommenden, von mir eigentlich nicht sehr geschätzten „Zyklopenmauern“ gefördert werden könnte, hat sich nun bestätigt. Gerade vor einigen Tagen konnte ich nur etwa 100 Meter von meinem Haus entfernt an so einer Mauer ein frisch geschlüpftes Mörtelbienenmännchen aufscheuchen, das sich in der Folge sogar bereitwillig aus kurzer Distanz fotografieren ließ! An der sonnenexponierten Mauer dürfte wohl auch das eine oder andere Nest in nächster Zeit errichtet werden.

Schwarze Mörtelbiene (Megachile parietina) Männchen. Artstetten, 28.4.2021

Wie kann man nun die Schwarze Mörtelbiene an ihren Vorkommen mit speziellen Maßnahmen fördern? In den Hausgärten im Nahbereich von geeigneten, südseitigen Zyklopenmauern (das sind Mauern aus großen, schweren Steinen, die unter Einsatz von vielen Baggerstunden gelegt werden und eigentlich alles andere als natürlich wirken) sollten bevorzugte Trachtpflanzen der Mörtelbiene gepflanzt werden, beispielsweise Lavendel oder diverse Salbeiarten. Blumenwiesen mit reichlich Esparsette und Hornklee wären auch für viele andere Bienenarten günstig. In die Fugen der Mauern selbst können zahlreiche bunte Mauerpflanzen gesetzt werden. Für die Mörtelbienen empfehlen sich hier Pflanzen aus der Familie der Lippenblütler, die generell bei Wildbienen beliebt sind. Nicht fehlen sollten hier reichlich Kreuzblütengewächse, auf die sich etliche Wildbienenarten spezialisiert haben, z.B. Blaukissen, das Wachauer Bergsteinkraut oder Schleifenblumen. Ebenfalls nicht vergessen darf man selbstverständlich auf Glockenblumenarten, auch hier gibt es mehrere oligolektische Bienenarten, die sich darüber sehr freuen würden. Am Fuß der Mauern kann man einheimischen Natternkopf und Wegwarte ansiedeln, beide bei Hummeln bzw. Wildbienen sehr beliebt.

Fundort des Mörtelbienen-Männchens und potentieller Mörtelbienen-Neststandort

Schon nach wenigen Jahren hat man die bedrohlich wuchtige Steinmauer mit einer bunten Blumenvielfalt abgemildert, die zahleiche Hymenopterenarten anlocken wird, wenn es auch nicht gerade gleich überall die Mörtelbiene sein muss. Solcherart wäre das Bienensterben dann zumindest lokal passé…

Wolfgang Schweighofer, 30.04.2021

Die Sechsjahres-Schmalbiene

Diese nicht einmal 1cm groß werdende Biene (Lasioglossum marginatum) ist öfters Gegenstand von Anfragen. Es handelt sich hier um die einzige mitteleuropäische Wildbienenart, die mehrjährige Staaten bildet. Königinnen können bis zu 6 Jahre alt werden. Der Lebenszyklus eines solchen Staates ist relativ komplex und kann z.B. bei Westrich (Die Bienen Deutschlands) nachgelesen werden.

Doch würden diese Bienen mit ihrer „primitiv eusozialen“ Lebensweise wohl keine größere Aufmerksamkeit erzielen. Diese erreichen sie vielmehr mit der kolonieartigen Anlage ihrer Nester – meistens in schütteren, kurzrasigen Magerwiesen, wobei die senkrechten kaminartigen Ausgänge in einem vulkanähnlichen Gebilde aus Aushubmaterial des meist sandigen oder lössigen Untergrunds liegen. Bei idealen Bedingungen kann es also passieren, dass zig solcher kleiner Vulkane in einem Quadratmeter Wiesenfläche liegen. Und das fällt auf, und zwar überwiegend im April. Es ist erstaunlich, was diese kleinen Bienenweibchen in dieser Zeit leisten. Schon die Anlage des mehrere Zentimeter hohen Erdkegels ist in Relation zur Körpergröße der Bienen beachtlich, ältere Nester können allerdings bis in eine Tiefe von 90 cm in den Boden reichen! Im letzten Jahr des Bestehens leben dann in so einem Nest bis über 1000 Sechsjahres-Schmalbienen.

Während also die Weibchen in besiedelten Wiesen im Frühling in großen Mengen schwärmen und Blüten besuchen, um Pollen ins Nest eintragen zu können, sieht man die Männchen oft in gewaltigen Massen erst im Herbst mit Schwerpunkt Oktober. Sie dringen in Nester ihrer Art ein und begatten dort die darin befindlichen Königinnen.

Man kann sich im April bei einem entdeckten „Vulkan“ auf die Lauer legen und das Aus- und Einfliegen der Bienen beobachten bzw. fotografieren. Erst erblickt man einmal die Fühler, die aus dem engen Schlot emporragen, dann den Kopf.

Lasioglossum marginatum

Oft erst nach einigem Hin und Her bequemt sich die Biene auf den „Kraterrand“ des Kegels. Für ein gutes Foto braucht man jetzt Glück, damit sich die Biene in die richtige Position dreht.

Lasioglossum marginatum

Meist erscheint schon die nächste Biene im Schlot, während ihre Vorgängerin noch unschlüssig am Kraterrand wartet. Es ist erstaunlich, wie viele Bienchen so ein Nest hintereinander ausspuckt.

Lasioglossum marginatum

Aber schließlich hebt wieder eine Biene ab.

Lasioglossum marginatum

Nach einer Runde über dem Kegel geht es ab in die Botanik, um Pollen zu sammeln, z.B. an Fingerkraut oder Löwenzahn.

Lasioglossum marginatum

Die Art sammelt insgesamt an 8 Pflanzenfamilien. Nach wenigen Wochen sind die Brutkammern gut mit Pollenvorräten gefüllt und meist schließt dann ein Platzregen die Öffnungen der Nester. Bald ist von den unterirdischen Nestern von außen nichts mehr zu sehen.

Lasioglossum marginatum war ursprünglich in Mitteleuropa eine seltene Art und kam nur in ausgesprochenen Wärmegebieten vor. Sie profitierte in der Folge vom Klimawandel und weitete ihr Areal zügig aus. Dabei erreichte sie auch unser Gebiet im westlichen Niederösterreich und wurde so am Kleinpöchlarner Rindfleischberg, von wo auch meine Bilder (23.4.2021) stammen, schon früh von dem Bienenforscher K. Mazzucco entdeckt. Mittlerweilen habe ich die Art auch schon an mehreren anderen Orten gefunden. Zum Beispiel hat die damalige ÖKO-Hauptschule Pöchlarn durch eine konsequente Pflege eines Abschnitts des Erlaufdamms eine Ansiedlung dieser Bienenart ermöglicht, aber auch vielen anderen Insekten- und Pflanzenarten eine neue Heimat gegeben.

Inzwischen aber sieht es wieder schlechter aus. Es ergeben sich zunehmend Schwierigkeiten bei der Wiesenbewirtschaftung. Man muss heute froh sein, wenn sich jemand findet, der extensives Grünland gerade noch einmal im Jahr mäht. Öfters wird auch auf die Mahd „vergessen“. Die Folge ist, dass im Frühling nicht kurzrasiges, blütenreiches Grasland auf die Bienen wartet, sondern ein dichter Filz aus vorjährigen Grasblättern.

Ein Osterluzeifalter (Zerynthia polyxena) sitzt am 23.4.2021 auf einer Wiesenfläche mit dichtem Altgrasfilz, in dem die gelben Blüten des Frühlings-Fingerkrauts versinken. Das Fingerkraut läuft Gefahr, wegen Lichtmangels abzusterben.

Selbst in Europaschutzgebieten führt dies zunehmend zu einem Rückgang von anspruchsvollen Wiesenbewohnern wie etwa auch der seltenen Fingerkraut-Sandbiene oder dem stark gefährdeten Schwarzfleckigen Grashüpfer. Ihr Verschwinden verstärkt leider unser ständig wachsendes Biodiversitätsproblem.

 

Wolfgang Schweighofer, 23.4.2021

Die Rote Fingerkraut-Sandbiene im Nibelungengau

In Österreich gibt es rund 700 Wildbienen-Arten. Für die meisten Menschen bleiben diese „anderen“ Bienen eine fremde Welt und sie verbinden mit dem Begriff „Biene“ in den allermeisten Fällen nur die wirtschaftlich interessante Honigbiene. Dabei ist aber gerade auch die Existenz all dieser vielen Wildbienen inklusive Hummeln für die Bestäubung der Blütenplfanzen enorm wichtig.

Die Zahl an sich wäre ja nicht einmal so abschreckend, aber die schwierige Bestimmbarkeit großer Gattungen wie z.B. der Sandbienen (Andrena) schreckt auch den Faunisten schnell einmal ab, sich tiefgehender mit der spannenden Gruppe der Bienen näher zu befassen. Und so gibt es am Ende viel weniger Bienenspezialisten als Bienenarten.

Dabei wäre gerade die vermehrte Beschäftigung mit diesen Insekten besonders wichtig, sagt doch ihre Präsenz in einem Lebensraum oft sehr viel über dessen ökologische Qualität aus. So gibt es in den bereits bekannten Biodiversitäts-Hotspots wie etwa dem Kleinpöchlarner Rindfleischberg oder auch in meinem Garten sehr viele Wildbienen.

Das Bestimmen der Bienen ist aber nicht von vornherein grundsätzlich aussichtslos, denn es gibt ja z.B. die sogenannten oligolektischen Bienen, das sind – quer durch verschiedene Gattungen – Bienenarten, die nur an bestimmten Arten einer Pflanzenfamilie Pollen sammeln.

Ein Beispiel ist die Rote Fingerkraut-Sandbiene (Andrena potentillae). Wie der Name bereits verrät, sammelt diese Bienenart innerhalb der Pflanzenfamilie der Rosengewächse fast nur an der Gattung Fingerkraut (Potentilla) und hier wiederum nur an sehr früh blühenden Arten, vor allem an Potentilla neumanniana. Daneben sollen auch P. heptaphylla und gebietsweise P. arenaria sowie ausnahmsweise auch Erdbeere (wohl in erster Linie Fragaria viridis) besucht werden. Während die Frühlings-Fingerkräuter in niederen und mittleren Lagen verbreitet vorkommen, gilt allerdings unsere Fingerkraut-Sandbiene generell als seltene Art. Westrich gibt die Art für Deutschland als „sehr selten“ an, Wiesbauer nennt sie für Österreich „selten“. Das bedeutet: Nicht überall, wo Frühlings-Fingerkraut wächst, ist automatisch mit Vorkommen dieser Sandbiene zu rechnen.

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Männchen von Andrena potentillae auf Blüte von Potentilla neumanniana, Kleinpöchlarn

Mir sind glücklicherweise in den letzten Tagen zwei Funde der seltenen Art gelungen. Zunächst fand ich einige Exemplare am Kleinpöchlarner Rindfleischberg in der Nähe des Osterluzeifalterplatzes auf nur kleinen Beständen von Fingerkraut. Entsprechend der Kleinheit von Fingerkrautblüten sind die Sandbienen selbst ebenfalls ziemlich klein. Je nach Geschlecht erreichen sie Längen zwischen nur 5 und 7 mm. Auffällig sind rote Hinterleibsringe bei beiden Geschlechtern. Es gibt nur eine ähnliche Art, die aber nicht auf Fingerkraut spezialisiert ist, etwas später fliegt und eine Spur größer ist, somit also als Verwechslungsart ausscheidet. A. potentillae fliegt schon im März bis in den April.

In der Folge dachte ich an den benachbarten Henzing-SW-Hang bei Leiben, dem ich in der Lanius-Info schon einmal einen Aufsatz gewidmet habe. Dort gibt es auf den schütteren Magerrasen ebenfalls viel Fingerkraut, da sollte das Bienchen doch eigentlich auch vorkommen. Tatsächlich fand ich bei einem Besuch dort etwa 10-15 Weibchen, die Männchen waren an diesem Standort bereits vorbei.

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Weibchen von Andrena potentillae auf Blüte von Potentilla neumanniana, Henzing bei Leiben

Man stellt sich danach natürlich die Frage: Warum ist diese Art so selten und kommt nur an diesen beiden speziellen Standorten vor? Dazu habe ich einige Überlegungen angestellt. Nach meinen Beobachtungen ist Andrena potentillae thermisch extrem anspruchsvoll. Sie fliegt praktisch nur ab Mittag in den ersten Nachmittagsstunden und benötigt hier volle Sonneneinstrahlung, also SW-geneigte Hänge. Sobald sich eine dünne Schichtwolke vor die Sonne schiebt, sind die Fingerkraut-Sandbienen noch vor allen anderen Bienenarten blitzschnell verschwunden. Somit sind nur ganz wenige eng begrenzte Sonderstandorte für das Vorkommen dieser kleinen Biene geeignet. Bereits reine Südhänge dürften von ihr nicht mehr genutzt werden.

Das Fotografieren der Tiere ist ziemlich schwierig, da sie außergewöhnlich hektisch agieren und sehr scheu sind. Vorerst muss man die kleinen Bienen aber erst einmal entdecken, was nur durch Anschleichen und sorgfältiges Studieren von Fingerkrautrasen mit einiger Geduld möglich ist.

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Habitat von Andrena potentillae bei Kleinpöchlarn

Ich gehe davon aus, dass die Rote Fingerkraut-Sandbiene zwar bei uns selten ist, aber dennoch an weiteren Plätzen gefunden werden könnte. Im Zuge von Frühlingsspaziergängen sollte man die Vorkommen von Frühlings-Fingerkraut im Auge behalten.

Die Zukunft dieser Bienenart bereitet Anlass zur Sorge. Einerseits werden viele kurzrasige Magerwiesen mit Fingerkraut heutzutage nicht mehr gemäht und verfilzen. Das konkurrenzschwache Fingerkraut wird dadurch immer weniger. Am Henzing habe ich beobachtet, dass neuerdings Gülle bis in die höchsten Teile der Hangwiesen ausgebracht wird und somit die Fingerkrautteppiche teilweise mit Gülle verkrustet waren. Starke Düngung führt ebenfalls zum Erlöschen des Frühlings-Fingerkrauts.

Literaturtipps:

Wolfgang Schweighofer, 14.4.2021

Ein Frühlingsbote im Garten – die Fuchsrote Sandbiene

Nach dem seltenen Winzling Rote Fingerkraut-Sandbiene möchte ich einen weiteren Vertreter der Gattung Sandbiene porträtieren. Und gleich vorweg – hier handelt es sich um wesentlich leichtere Kost!

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Weibchen von Andrena fulva auf Blüte von Schwarzer Johannisbeere, Artstetten

Die Fuchsrote Sandbiene (Andrena fulva) gehört nämlich zu den größeren und im weiblichen Geschlecht sehr auffälligen und hübschen Sandbienen, die praktisch jeder problemlos bestimmen kann. Diese Bienen erscheinen schon sehr früh im Jahr, wohl Ende März, wobei die Männchen wie bei vielen anderen Sandbienen recht unauffällig sind und mit anderen Arten verwechselt werden können. Die Weibchen allerdings erreichen knapp Honigbienen-Größe und sind im frischen Zustand auf der Oberseite des Brustabschnitts und Hinterleibs mit einem leuchtend orangeroten dichten Pelz ausgerüstet, der sie schon von weitem kenntlich macht. Der restliche Bienenkörper ist kontrastierend schwarz gefärbt. Diese Sandbienenart ist also unverwechselbar.

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Weibchen von Andrena fulva rastet auf Blatt von Schwarzer Johannisbeere, Artstetten

Die Art ist polylektisch, das heißt, sie nutzt eine Vielzahl verschiedener Blüten aus 13 Pflanzenfamilien, wobei sie aber ganz überwiegend Blüten an Gehölzen den Vorzug gibt. Was die Beobachtung gerade im Garten aber ungemein erleichtert, ist die Tatsache, dass die Fuchsrote Sandbiene mit großer Stetigkeit an den Blüten von Ribiseln und Stachelbeeren Nektar und Pollen gewinnt. Das bedeutet: Hat man einen blütenreichen Garten mit einer Kultur von Johannisbeeren und/oder Stachelbeeren, so wird man diese Bienen gerade jetzt im Frühling mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beobachten können. Sobald sich die ersten Blüten an den Ribiseln öffnen, tauchen diese Bienen, die vielleicht vorher schon diverse Kriecherlbäume besucht haben, schlagartig in größerer Zahl in meinem Garten auf. Wenn dann diese Tracht dem Verblühen entgegen geht, dann hat sich inzwischen die auffällige Färbung des Rückenpelzes in ein fahles Beige gewandelt und die Flugzeit der Fuchsroten Sandbiene geht für dieses Jahr dem Ende entgegen.

Viel Spaß beim Beobachten!

Wolfgang Schweighofer, 14.04.2021