Ein Frühlingsbote: Die Löwenzahn-Dörnchensandbiene

Ich möchte heute eine jener vielen unscheinbaren, kleinen Sandbienenarten vorstellen, die sich auch in meinem Garten herumtreiben.

Früher, in meiner Zeit als Florist, hatte ich ein gestörtes Verhältnis zum Gewöhnlichen Löwenzahn Taraxacum officinale. Er war für mich das Sinnbild einer Zeigerpflanze artenarmer, stark gedüngter  Fettwiesen. Noch dazu produzierte die Tourismuswerbung Werbe-Sujets mit blühenden Löwenzahnwiesen, die als Ersatz für die verloren gegangenen Blumenwiesen und ihre Artenvielfalt herhalten mussten. Das war wirklich abschreckend.

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Rastendes Männchen von Andrena taraxaci. Artstetten, 21.03.2024

Nach bald 25 Jahren ist es mir in meinem Garten trotz konsequenter Extensivierung aber nicht gelungen, den Löwenzahn wegzukriegen. Die aufgetragene Waldviertler Erde ist einfach zu nährstoffreich. Aber der Reichtum an Kräutern hat sich dennoch erhöht. Im Vorfrühling wird die Wiese plötzlich grün und an der kleinen Südböschung unterm Haus starten schlagartig die ersten Blütenköpfe des Löwenzahns in die Saison. Seit Jahren beobachte ich dann gleich einmal die kleine Sandbiene Andrena taraxaci mit ihrem unaussprechlichen deutschen Namen. Als eine von ganz wenigen Sandbienen habe ich diese Art tatsächlich mit einem Andrenen-Schlüssel bestimmt. Die Art ist oligolektisch und sehr stark auf den Löwenzahn spezialisiert, im Gegensatz zur nahe verwandten sehr ähnlichen Art Andrena humilis, die zeitversetzt etwas später fliegt und dann verschiedene gelbblühende Korbblütler nutzt, beispielsweise auch Wiesen-Pippau (Crepis biennis). Aber im März kann man sich ziemlich sicher sein: Wenn die Sandbienen auf den allerersten Löwenzahnköpfen sitzen, dann ist es eben taraxaci.

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Weibchen von Andrena taraxaci ;beginnt seinen Sammelflug auf einem Blütenkorb von Löwenzahn (Taraxacum officinale). Die hellbraunen Sammelhaare am Hinterbein sind noch frei erkennbar. Artstetten, 21.03.2024

Die Bienen sind maximal einen guten Zentimeter groß und von dunkler Gesamtfärbung. Vor allem die Männchen besitzen am ganzen Körper eine feine rötlichgelbe Behaarung. Diese verblasst allerdings bereits in den ersten Flugtagen. Die beiden Geschlechter bekleiden – so wie eigentlich im gesamten Tierreich – unterschiedliche Rollen. Damit folgen sie Naturgesetzen, die die Erhaltung der Art garantieren und eigentlich auch für den Menschen gelten würden.

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Voll mit Löwenzahnpollen beladenes Weibchen von Andrena taraxaci rastet auf einem Löwenzahn-Blütenkorb. Artstetten, 21.03.2024

Die Sandbienen-Männchen haben nur eine einzige Aufgabe: die Weibchen zu beglücken. In diese Aufgabe stecken sie ihre gesamte Energie, meistens ohne Ergebnis. Denn die Weibchen gestatten nur eine einzige Paarung nach dem Schlupf, dann werden die weiteren Freier konsequent abgewiesen. Die von ihren wilden Weibchen-Suchflügen erschöpften Männchen rasten öfters auf besonnten Blättern oder nackten Bodenstellen, wo man sie mit etwas Geduld auch gut fotografieren kann. Die langlebigeren Weibchen übernehmen dagegen umgehend die komplette „Care-Arbeit“, indem sie Nester an offenen Erdstellen graben und anschließend Löwenzahnpollen und -nektar in die angelegten Brutzellen bringen. Klassische, von der Evolution entwickelte Geschlechterrollen eben.

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Sammelndes Weibchen von Andrena taraxaci weist ein paarungswilliges Männchen ab. Artstetten, 21.03.2024

Andrena taraxaci war eigentlich ursprünglich eine wohl übersehene und seltene, östliche Art, die oft mit A. humilis verwechselt wurde. Mittlerweilen ist die Art bei uns sicherlich häufig, so wie ihre in erster Linie genutzte Pollenpflanze, der Löwenzahn. Allerdings sind inzwischen in den tiefen Lagen sogar die fetten Löwenzahnwiesen schon recht selten geworden, sodass es gebietsweise auch für die sogenannten „häufigen“ Arten schon eng werden kann. Andrena taraxaci hat in den letzten Jahren nach Oberösterreich auch das östlichste Bayern im Gebiet von Passau erreicht und wird sich dort wohl noch weiter ausbreiten.

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Gartenhabitat von Andrena taraxaci. Artstetten, 21.03.2024

Im Garten kann man die Art leicht fördern, indem man an sonnenbeschienenen Stellen in leichter Hanglage kräuterreiche Flächen mit Löwenzahn, aber auch offenen Erdstellen entwickelt. Besonders südgerichtete Böschungen sind bestens geeignet. Mähen sollte man hier möglichst spät und düngen gar nicht, dann werden sich auf solchen Flächen sicherlich mehrere Wildbienenarten, darunter Andrena taraxaci, ansiedeln.

 

Wolfgang Schweighofer, 21.03.2024

Abendsegler-Zug bereits voll im Gange

Diverse Aufrufe der KFFÖ (http://www.fledermausschutz.at/ ) betreffend die Teilnahme an der Abendsegler-Zählung 2023 haben mich motiviert, wieder mal nach diesen Tieren Ausschau zu halten. Früher habe ich die immer vom Wintergarten aus gesehen. Nun ist aber der ganze Südhang schon verbaut (Stichwort Bodenversiegelung) und ich habe schon etliche Jahre keine mehr gesehen.

Sie sind aber natürlich noch da und fliegen jetzt schwerpunktmäßig über meiner 2. Parzelle auf der Nordseite und über den angrenzenden Feldern. Ich pflege mein Grundstück ökologisch und das reiche Insektenangebot lockt zur Zugzeit nicht nur viele Schwalben, sondern kurz darauf auch die Abendsegler an. Zwei mittelgroße Eichenbäume und ein benachbarter Kirschenbaum locken die Fledermäuse offensichtlich auch ganz besonders. Es ist erstaunlich, was man mit einer naturkonformen Pflege auch relativ kleinerer Flächen immer wieder für die Natur erreichen kann. Allgemein sind Plätze an größeren Gewässern oder in insektenreichem Kulturland zum Beobachten günstig.

Gestern Abend, gegen 18h30 habe ich mich ans obere Ende meiner Parzelle gesetzt, mit gutem Überblick auf die angrenzenden offenen Flächen. Ausgerüstet war ich mit meiner Kamera mit Tierverfolgungs-AF, einem großen Tele und meinem alten Bat-Detektor. Die KFFÖ-Seite http://www.fledermausschutz.at/downloads/2023/Abendsegler_Zaehlung_2023-Info.pdf  enthüllt, dass die Tiere bei 20 kHz unverwechselbare „plip-plop“-Rufe äußern, und die habe ich schon bei der Haustüre gehört! Anfangs war der Flug noch bescheiden und im Detektor waren fast nur Heuschrecken zu hören, nur hin und wieder einmal ein Abendsegler. Es dauerte, bis ich den ersten zu Gesicht bekam, noch von der Abendsonne bestrahlt. Doch flogen diese Tiere noch sehr hoch und durch die Entfernung waren kaum brauchbare Bilder zu erzielen. Der Detektor hilft auf alle Fälle, denn man hört die Tiere schon, bevor man sie zu Gesicht bekommt und kann sich auf´s Fotografieren einstellen.

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Hier reicht das Licht gerade noch aus, um die braune Oberseite des Abendseglers zu erkennen. Artstetten, 11.9.2023

Allmählich wurde der Flug stärker und die Abendsegler flogen nun immer niedriger, da mit nachlassendem Sonnenlicht wohl auch die Insekten tiefer gingen. Diese Übergangsphase konnte ich nützen und etliche Bilder schießen. Wenn man die Kamera entsprechend konfiguriert, werden die Bilder auch relativ scharf. Das Schwierigste ist es, die Fledermäuse mit 600mm und kleinem Bildausschnitt überhaupt zu treffen, den Rest besorgt dann der Tierverfolgungs-Autofokus.

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Abendsegler schlagen die langen Flügel unter dem Körper fast zusammen. Artstetten, 11.9.2023

Schließlich wurde der Flugverkehr über mir immer dichter und der Detektor vibrierte förmlich von den vielen Abendsegler-Rufen, doch war nun ein sinnvolles Fotografieren auf Grund des immer spärlicher werdenden Abendlichts nicht mehr möglich und ich habe den Ansitz beendet, da auch das Zeitfenster für die Abendseglerzählung noch gar nicht begonnen hat. Dieses dauert von 16.- 24. September. Informationen dazu sind auf der KFFÖ-Seite zu finden – jeder kann mitmachen und den Erhebungsbogen http://www.fledermausschutz.at/downloads/2023/Abendsegler_Zaehlung_2023-Erhebungsbogen.pdf  ausfüllen, sei es an bekannten Standorten oder auch an neuen. Das Lanius-Arbeitsgebiet ist bisher mit Ausnahme von St. Pölten noch ein ziemlich weißer Fleck auf der Landkarte der Abendsegler-Zählung. Erwünscht wären pro Standort 3 Zählungen in dem angegebenen Zeitfenster.

Wenn Abendsegler vorhanden sind, lohnt es sich jedenfalls mitzumachen. Ein Batdetektor wäre sehr zu empfehlen, da man dann auch ein akustisches Erlebnis hat und die Fledermaus 100%ig bestimmen kann. Die Abendsegler kann man aber schon durch die frühe Flugzeit, die Größe und die langen Flügel eigentlich zweifelsfrei ansprechen.

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Der Abendsegler hat auffallend lange Flügel. Artstetten, 11.9.2023

Wolfgang Schweighofer, 12.9.2023

Die Schmallappige Schienenbiene im westlichen Niederösterreich

Pseudapis diversipes gehört zu jenen Bienenarten, die offensichtlich imstande sind, ihr Areal im Zuge des Klimawandels zügig nordwärts vergrößern zu können. Ursprünglich gab es nur 2 historische Angaben aus der Zeit um 1940 aus der Umgebung des Neusiedler Sees. Dann blieb diese wärmeliebende Biene in Österreich etwa 60 Jahre weitgehend verschollen. In den 2000er Jahren tauchte sie wieder in Ostösterreich auf und wird inzwischen speziell im Wiener Bereich häufig gefunden. Bis 2019 hatte die Art westwärts Gobelsberg (östlich Krems) erreicht (Karte bei Pachinger et al. 2019).

Pseudapis diversipes ist eine gedrungene, nur 7-8 mm große, recht unauffällige Biene mit schwärzlicher Grundfarbe. Kennzeichnend sind bei den Weibchen zwei weiße, stark kontrastierende Tergitbinden und – im Vergleich zur Körpergröße – auffallend große Flügeldeckschuppen (Tegulae). Es handelt sich um eine Sommerbiene, die bis in den September hinein in passenden Habitaten angetroffen werden kann. Die Art bevorzugt besonders warme, sandige, strukturreiche Flächen mit einem – trotz der späteren Jahreszeit – gewissen Blütenangebot. Die Biene gilt als polylektisch, sammelt also an verschiedenen Pflanzenarten.

Das erste Exemplar von Pseudapis diversipes entdeckte ich im Firmengelände Gradwohl bei Melk am 13.8.2020 dadurch, dass sich ein Weibchen auf mein Schienbein setzte und dort fotografieren ließ. Somit hatte die Schienenbiene also definitiv den engeren pannonischen Raum nachweislich Richtung Westen verlassen.

Im Folgejahr 2021 fand ich in Melk keine Schienenbiene, wohl auch deswegen, weil ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, an welchen Blüten diese Art im Gradwohl-Gelände zu suchen wäre.

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Gelber Zahntrost (Odontites luteus) mit mehreren Exemplaren der trocknisresistenten Heideschnecke (Xerolenta obvia). Melk, 26.8.2023

2022 studierte ich das lokal begrenzte, im Gebiet angesalbte Vorkommen des Gelben Zahntrosts (Odontites luteus) genauer, um zu sehen, welche Bienen diese recht spät blühende Pflanze denn nutzen. Es dauerte nicht lange, bis ich neben den regelmäßig zu sehenden Exemplaren der Zahntrost-Sägehornbiene (Melitta tricincta) das erste pollensammelnde Weibchen von Pseudapis diversipes erspähte! Es waren sogar mehrere vorhanden – bis zu 3 gleichzeitig. Das Fotografieren der kleinen, lebhaften Schienenbienen am Zahntrost erwies sich anfangs als nicht ganz einfach, doch neigt diese Bienenart dazu, sich zwischendurch an Grashalmen und dürren Pflanzenstängeln gleichsam auszurasten. In solchen Phasen kann man dann fotografisch zuschlagen.

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Weibchen der Schmallappigen Schienenbiene (Pseudapis diversipes) bei einer Rast während des Pollensammelns an Gelbem Zahntrost. Melk, 19.8.2023

Dabei konnte ich feststellen, dass die Schienenbienen – ähnlich wie z.B. Tagfalter – Interesse an der Aufnahme von Mineralien haben dürften. Immer wieder setzten sich während des Fotografierens einzelne Bienen am Hosenbein oder an meinen Schuhen ab, um dort Mineralstoffe abzulecken. In der Folge ist es nicht schwer, die Biene auf die verschwitzte Fingerkuppe zu bekommen, wo man weitere Nahaufnahmen schießen kann.

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Weibchen der Schmallappigen Schienenbiene (Pseudapis diversipes) leckt Mineralien von der Fersenschlaufe meines Outdoor-Schuhs. Melk, 2.9.2023

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Weibchen der Schmallappigen Schienenbiene (Pseudapis diversipes) leckt am mineralienhältigen Schweiß auf meiner Fingerkuppe. Melk 2.9.2023

Am 19. August 2023 besuchte ich die Stelle zur Zahntrostblüte neuerlich. Nach einem wetterbedingt schwachen Bienen- und Insektenjahr machte ich mir nicht sehr große Hoffnungen, die Schienenbiene wiederzusehen. Doch punktgenau sah ich wiederum 3-4 sammelnde Weibchen am Gelben Zahntrost.

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Weibchen der Schmallappigen Schienenbiene (Pseudapis diversipes) sammelt Pollen und Nektar am Gelben Zahntrost (Odontites luteus). Melk, 2.9.2023

Von dieser Stelle ein Stück entfernt, entdeckte ich etwas später sogar erstmals ein sammelndes Weibchen an Rotem Zahntrost (Odontites vulgaris). Diese Pflanze kommt im gesamten Gradwohl-Gelände verstreut vor. Schienenbienen-Männchen habe ich bisher noch nicht beobachten können. Diese fliegen wohl bereits etwas früher und nutzen sicher auch andere Blüten als Nektarquelle. Vorerst blieb es offen, welche Pollenquellen die Weibchen vor der Blüte der beiden Zahntrostarten nutzen. Wenn der Zahntrost aber einmal blüht, scheint dieser von den Schienenbienen bevorzugt zu werden. Erst am 2. September ist es nun gelungen, eine weitere wichtige Trachtpflanze von Pseudapis diversipes im Gradwohl-Gelände nachzuweisen. Ich konnte etwa 4 der kleinen Bienenweibchen beim Blütenbesuch an der Steinbrech-Felsennelke (Petrorhagia saxifraga) beobachten. Diese Pflanzen sind jetzt schon beim Abblühen, daher ist anzunehmen, dass die Art auch während der Hauptblüte im Sommer genutzt wird und dass dann wohl noch deutlich mehr Exemplare der Schienenbiene unterwegs sind, wobei jedoch Westrich auf seiner website www.wildbienen.info Nelkengewächse nicht für die 2 mitteleuropäischen Schienenbienen-Arten angibt, sehr wohl aber den Gelben Zahntrost. Bei den beflogenen Habitaten handelt es sich jeweils um steppenartige, sandige Bereiche mit hohem Offenbodenanteil und permanenter Sonneneinstrahlung. In Melk teilt sich die Schienenbiene diesen Lebensraum z. B. mit der Knotenwespe Cerceris interrupta (Crabronidae/Grabwespen). Diese wird in Deutschland wegen ihrer Bindung an diese speziellen, offenen Sandlebensräume als selten und gefährdet eingestuft (Schmid-Egger 2010). Solche Lebensräume sind bei uns von Natur aus sehr selten.

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Weibchen der Schmallappigen Schienenbiene (Pseudapis diversipes) sammelt Nektar und Pollen an einer Blüte der Steinbrech-Felsennelke (Petrorhagia saxifraga). Melk, 2.9.2023

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Weibchen der Knotenwespe Cerceris interrupta lähmt gerade mit einem Stich einen erbeuteten Rüsselkäfer zur Versorgung einer Brutzelle. Melk, 2.9.2023

Beobachtungen des speziellen Brutparasiten Pasites maculatus sind vorläufig noch ausgeblieben. Jedoch ist Pseudapis diversipes mit einem Männchen sogar bereits in Oberösterreich gefunden wurden. Die Ausbreitungstendenz der Art hält also weiterhin an. Sicherlich werden die kleinen, eher spätfliegenden Bienen an manchen Orten aber auch übersehen, empfohlen werden könnte die Nachsuche in der unmittelbaren Umgebung von Sandgruben sowie in Lössgebieten.

 

Literatur (im Internet abrufbar):

  • Ockermüller E., Ebmer A.W., Hackl J., Schwarz M., Link A., Meyer P. & B. Pachinger (2021): Neufunde und bemerkenswerte Wiederfunde an Bienen (Hymenoptera, Apoidea) in Oberösterreich – 2. Linzer biologische Beiträge 53/2: 951-970
  • Pachinger B., Kratschmer S., Ockermüller E. & J. Neumayer (2019): Notizen zum Vorkommen und zur Ausbreitung ausgewählter Wildbienenarten (Hymenoptera: Anthophila) in den Agrarräumen Ost-Österreichs. Beiträge zur Entomofaunistik 20: 177–198
  • Schmid-Egger C. (2010): Rote Listen der Wespen Deutschlands. Ampulex 1/2010: 5-39

Wolfgang Schweighofer, 2.9.2023

Die Skabiosen-Sandbiene

Andrena marginata ist eine der wenigen Spätsommerbienen in der artenreichen Gattung der Sandbienen. Die Weibchen sammeln oligolektisch an Kardengewächsen, gemäß der einschlägigen Literatur insbesondere an diversen Skabiosen-Arten, gebietsweise auch an Teufelsabbiss. Sie sind gegenüber anderen Sandbienenarten unverwechselbar: Ihr Hinterleib ist fast völlig orangerot, nur Tergit 1 bleibt überwiegend schwarz. Die Behaarung ist am Brustabschnitt bräunlich, am Hinterleib finden sich unauffällige hellgelbe Haarbinden. Die schlanken, flugtüchtigen Männchen zeigen weniger Rot, dieses ist auf die vorderen Tergite 2 und 3 beschränkt. Es handelt sich um eine eher kleinere Art mit bis zu 1cm Körperlänge.

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Skabiosen-Sandbiene sammelt Pollen an Gelber Skabiose. 13.8.2022, Melk

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Männchen der Skabiosen-Sandbiene auf Gelber Skabiose. 22.7.2022, Melk

 

 

Wiesbauer bezeichnet die Art als „mäßig häufig“, was sich aber vor allem auf den engeren pannonischen Raum beschränken dürfte. Dort gibt es in Schutzgebieten, an Ruderalstandorten und an Dämmen reiche Bestände der Gelben Skabiose (Scabiosa ochroleuca) und damit auch gute Voraussetzungen für diese bunte Sandbiene. Im übrigen Mitteleuropa war Andrena marginata früher weit verbreitet, doch sind die bunten Magerwiesen mit reichen Skabiosenbeständen inzwischen überall drastisch zurückgegangen. Auch werden Flächen gemieden, die unregelmäßig oder zum falschen Zeitpunkt gemäht werden. So konnte ich etwa an den Donaudämmen beim Kraftwerk Melk die Art bisher trotz reicher Vorkommen von Scabiosa ochroleuca nicht finden, während dort die verwandte Knautien-Sandbiene Andrena hattorfiana, die vorwiegend Witwenblumen besucht, regelmäßig anzutreffen ist. An lilafarbenen Skabiosen konnte ich die Skabiosen-Sandbiene in unserem Gebiet bisher nur ein einziges Mal beobachten, nämlich vor Jahren an einer Straßenböschung bei Zehentegg an der Südlichen Skabiose Scabiosa gramuntia. Foto ist mir damals keines gelungen, denn diese Biene ist recht scheu und flüchtet bei Störung meistens sehr schnell und weiträumig. An Feuchtstandorten mit guten Beständen des Teufelsabbisses (Succisa pratensis) habe ich Andrena marginata noch nie beobachten können.

In Deutschland gilt die Skabiosen-Sandbiene als „stark gefährdet“, in Bayern sogar als „vom Aussterben bedroht“.

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Knautien-Sandbiene Andrena hattorfiana sammelt Pollen an Acker-Witwenblume. 6.7.2022, Kleinpöchlarn

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Knautien-Sandbiene Andrena hattorfiana sammelt ausnahmsweise an Gelber Skabiose. Man beachte unterschiedliche Färbung der Pollenhöschen! 18.7.2022, Neubach

Auf dem Betriebsgelände Gradwohl bei Melk wächst auf den sandigen Böden auch verbreitet Scabiosa ochroleuca. Hier konnte ich zu meiner Freude schon vor 2 Jahren einige Weibchen der auffälligen Spätsommer-Sandbiene Andrena marginata entdecken. Voriges Jahr habe ich mich mit dieser Bienenart intensiver auseinandergesetzt. Schon Mitte Juli habe ich damals die ersten Exemplare während der Suche nach der seltenen Blattschneiderbiene Megachile genalis entdeckt, und zwar zu meiner Überraschung regelmäßig und in vergleichsweise guter Zahl an blühenden Karden, sowohl an der Schlitzblättrigen Karde (Dipsacus laciniatus) als auch an der hier selteneren Wilden Karde (Dipsacus fullonum). Die Tiere sammelten auch ausdauernd den großen Pollen dieser Pflanzen. Das war deshalb so überraschend, weil die Literatur bisher Karden als Pollenlieferanten für Andrena marginata mehr oder weniger ausschloss oder zumindest nicht explizit erwähnte. Westrich erklärt sogar, warum die beiden auf Kardengewächse spezialisierten Sandbienenarten Andrena hattorfiana und A. marginata seiner Meinung nach die Karden im engeren Sinn nicht nutzen könnten: Steifborstige Spreublätter zwischen den Einzelblüten würden verhindern, dass die Bienen über die Blütenköpfe laufen könnten. Die Karden blühen aber noch vor der Hauptblüte von Scabiosa ochroleuca, somit taucht Andrena marginata hier sehr früh auf und präferiert das reiche Angebot der Karden. Auch die frühen Fortpflanzungsaktivitäten der Männchen spielen sich an den Blütenständen der Karden ab. Die borstigen Spreublätter haben dabei keine sichtbaren Auswirkungen auf das Verhalten der Bienen und behindern diese beim Pollensammeln nicht.

Wenn dann die Karden langsam abblühen, wechseln die Sandbienen im August zu den nun häufigeren Skabiosen und sammeln dort den recht ähnlichen, aber wohl eine Spur kleineren Pollen dieser Pflanzen – eine durchaus interessante Entdeckung!

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Skabiosen-Sandbiene sammelt Pollen an Schlitzblättriger Karde. Da sich die Blütenteile über die stacheligen Spreublätter erheben, kann sich die Biene problemlos über den Bereich mit offenen Blüten bewegen und Nektar und Pollen ernten. 22.7.2022 Melk

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Skabiosen-Sandbiene sammelt Pollen an Wilder Karde. 21.7.2022, Melk

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Männchen der Skabiosen-Sandbiene macht Nektarpause während eines Weibchensuchpatrouillefluges und bewegt sich geschickt an den stachligen Spreublättern der Schlitzblättrigen Karde. 14.7.2022, Melk

Schließlich blieb auch die Beobachtung des spezifischen Brutparasiten von Andrena marginata nicht aus. Es handelt sich um die Wespenbiene Nomada argentata, eine generell sehr selten beobachtete Art. Durch ihre späte Flugzeit kann sie kaum mehr mit einer der vielen anderen, meist etwas anders aussehenden Nomada-Arten verwechselt werden, außerdem bevorzugt sie dieselbe Nahrungspflanze wie ihr Wirt: Scabiosa ochroleuca.

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Männchen der Wespenbiene Nomada argentata. 4.9.2021, Melk

Ich konnte also 2022 viele interessante Beobachtungen dieser hübschen Sandbienen-Art machen und einige Bilder schießen. Doch 2023 sieht es nun ganz anders aus: Durch die ziemlich verrückten Wetterabläufe in diesem Jahr war es heuer ein auffallend schwaches Insektenjahr, unter dem auch viele Bienenarten zu leiden hatten. Andrena marginata konnte ich heuer erst gegen Mitte August mit vereinzelten Weibchen beobachten. Die Bestände sind also so wie bei vielen anderen Bienenarten stark eingebrochen. Manche der zuletzt zugewanderten pannonischen Raritäten sind heuer überhaupt ausgeblieben.

Die Chance, Andrena marginata außerhalb des pannonischen Raums zu finden, dürfte daher heuer besonders gering sein. Dennoch könnte es sich auszahlen, gute Bestände von Scabiosa ochroleuca auf diese Bienenart zu kontrollieren, speziell an Stellen, die nur selten oder gar nicht gemäht werden und wo es offene Bodenstellen zum Nestbau gibt.

 

Literatur:

Westrich, Paul (2018): Die Wildbienen Deutschlands. Ulmer Verlag, 821 S.

Wiesbauer, Heinz (2023): Wilde Bienen. 3. erweiterte Auflage, Ulmer Verlag, 527 S.

 

Wolfgang Schweighofer, 14.08.2023

Die Esparsetten-Sägehornbiene – spektakulärer Bienen-Neufund im westlichen Niederösterreich!

Die Esparsetten-Sägehornbiene Melitta dimidiata hat ein riesiges Verbreitungsgebiet, das sich schwerpunktmäßig von Südeuropa ostwärts durch ganz Asien bis zur Pazifikküste erstreckt. In Mitteleuropa zählt sie aber zu den besonderen Raritäten. In Deutschland konnte sie an ihren wenigen bayrischen Fundorten nach 1990 nicht mehr nachgewiesen werden. In der Schweiz besiedelt sie aktuell noch das Rhonetal im Wallis und in Österreich kommt sie fast nur in hochrangigen Schutzgebieten im pannonischen Osten vor. In Niederösterreich etwa liegen laut Literatur Nachweise vom Bisamberg, vom Eichkogel bei Mödling und von den Fischawiesen vor.

Männchen der Esparsetten-Sägehornbiene rastet auf einem Blütenstand der Sand-Esparsette. Melk, 17.06.2023

Männchen der Esparsetten-Sägehornbiene rastet auf einem Blütenstand der Sand-Esparsette. Melk, 17.06.2023

Die 6 österreichischen Sägehornbienen-Arten sind mittelgroße Bienen, deren Männchen relativ lange Fühler mit sägeartig erweiterten Fühlergliedern besitzen. Weibchen zeigen mehr oder weniger breite, helle Haarbinden am mehr oder weniger dunklen Hinterleib und transportieren mit Nektar vermischte Pollenladungen, was sie von ähnlichen Gattungen unterscheidet. Alle heimischen Arten sind oligolektisch, das heißt, sie sammeln Pollen nur von wenigen bestimmten Pflanzenarten einer Pflanzenfamilie oder gar nur einer Gattung. So sammelt die Esparsetten-Sägehornbiene nur an Esparsetten-Pflanzen. Neben der Gewöhnlichen Esparsette (Onobrychis viciifolia) kommt vor allem die gefährdete Sand-Esparsette (Onobrychis arenaria) dafür in Frage. Gerade in Niederösterreich wurde diese Bienenart bisher nur an Stellen mit Vorkommen der Sand-Esparsette gefunden.

Männchen der Esparsetten-Sägehornbiene auf Blüten der Sand-Esparsette. Studioaufnahme, 17.06.2023

Männchen der Esparsetten-Sägehornbiene auf Blüten der Sand-Esparsette. Studioaufnahme, 17.06.2023

Allerdings kommt diese insgesamt seltene Esparsetten-Art in unserer Region von Natur aus eigentlich gar nicht vor. Beim Betriebsgelände Gradwohl in Melk wurde jedoch das gesamte Firmenareal mit überwiegend pannonischem Samenmaterial auf sandigem Untergrund angesät. An einer Stelle eines Beckendammes befinden sich auch kleinflächige, aber dichte Bestände der Sand-Esparsette. Am 17. Juni beschloss ich, die gerade frisch erblühten Esparsettenbestände auf Wildbienen zu kontrollieren. Es dauerte nicht lange, da fielen mir neben den zahlreichen großen Honigbienen schon verdächtige kleinere Wildbienen-Männchen mit weißer Gesichtsbehaarung auf, die mit rasender Geschwindigkeit die Esparsettenbestände flächenscharf abpatrouillierten. Das war schon einmal sehr verdächtig, das kannte ich in ähnlicher Form doch bereits von den Zahntrost-Sägehornbienen (Melitta tricincta), die ebenfalls bei Gradwohl vorkommen, aber erst ab August! Da ich kein Insektennetz mithatte, musste ein Foto her, was sich aber als fast unmöglich erwies. Kühlende Wolken kamen mir zum Glück zu Hilfe, da brauchten die flinken Männchen mehr Energie und mussten sich auf den Esparsettenblüten niederlassen, um Nektar zu schlürfen. So gelangen einmal erste Belegbilder. Später konnte ich ein Männchen mit der Hand fangen und nach Kühlung zu Hause ordentlich fotografieren. Erst bei weiteren Besuchen ein paar Tage später konnte ich nach stundenlangem Beobachten endlich einzelne Weibchen beim Pollensammeln entdecken und fotografieren.

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Weibchen der Esparsetten-Sägehornbiene beim Blütenbesuch an Sandesparsette. Melk, 25.06.2023

Weibchen der Esparsetten-Sägehornbiene beim Blütenbesuch an Sandesparsette. Melk, 25.06.2023

Da diese Sägehornbienen streng an die Sand-Esparsette gebunden waren, war eigentlich klar, dass es sich um die extrem seltene Esparsetten-Sägehornbiene handeln musste. Dennoch war erst mit den gemachten Bildern eine exakte Bestimmung auf Artniveau möglich. Wie unterscheidet sich nun Melitta dimidiata von ihren Verwandten? Schon die frühe Flugzeit und das engräumige Patrouillieren im Bereich der Pollenpflanzen gibt einen klaren Hinweis. Männchen fallen durch ihr weißes Gesicht bereits im Flug auf. Weiters sind sie im Vergleich zu den anderen Arten recht langhaarig, wobei die Färbung bei frischen Tieren auf Mesosoma und den ersten 3 Hinterleibstergiten ein auffallendes Gelbbraun ist, während die hinteren Tergite überwiegend schwarz behaart sind.  Die Tiere bleichen allerdings schnell aus und werden nach wenigen Tagen hellgrau, das Schwarz am Hinterleibsende bleibt aber erhalten. Weiters haben die Männchen der Esparsetten-Sägehornbiene als einzige heimische Melitta-Art Fühler mit kaum erweiterten Fühlergliedern, der Sägehorneffekt entfällt hier also.

Weibchen der Luzerne-Sägehornbiene als Verwechslungsart beim Blütenbesuch an Sand-Esparsette. Man beachte unterschiedliche Färbung aber ebenfalls mit Nektar gemischten Pollen an den Hinterbeinen. Melk, 25.06.2023

Weibchen der Luzerne-Sägehornbiene als Verwechslungsart beim Blütenbesuch an Sand-Esparsette. Man beachte unterschiedliche Färbung aber ebenfalls mit Nektar gemischten Pollen an den Hinterbeinen. Melk, 25.06.2023

Die Weibchen kann man an Hand ihrer gelbbraunen Gesamtfärbung mit einer dunkeln Mittelzone auf der Oberseite des Brustabschnitts und relativ schmalen hellen Tergitbinden auf den Tergiten 2-4 erkennen. Tergit 1 ist komplett gelbbraun behaart und ohne Endbinde. Eine Verwechslung mit anderen Melitta-Arten, insbesondere mit der weit verbreiteten Luzerne-Sägehornbiene (Melitta leporina), die auch öfters in einem Esparsettenbestand auftauchen kann, ist somit im Prinzip ausgeschlossen. Diese hätte eine insgesamt hellere orangebraune Gesamtfärbung mit breiten Hinterleibsbinden, die Männchen hätten Sägehornfühler, kein weißes Gesicht und keinen farbmäßig zweigeteilten Hinterleib mit auffälligen hellen Tergitendbinden.

Männchen der Luzerne-Sägehornbiene beim Blütenbesuch an Sand-Esparsette. Man beachte Sägehornfühler, orangebraune Färbung und helle Hinterleibsbinden. Melk, 25.06.2023

Männchen der Luzerne-Sägehornbiene beim Blütenbesuch an Sand-Esparsette. Man beachte Sägehornfühler, orangebraune Färbung und helle Hinterleibsbinden. Melk, 25.06.2023

Nach bisherigem Befund ist die Population in Melk sehr klein, wobei aber das heuer in der Region sehr schlechte Wildbienenjahr zu berücksichtigen ist. Es verwundert, dass die Bienen den entlegenen kleinflächigen Bestand der Sand-Esparsette überhaupt gefunden haben. Ich selbst konnte diese Biene nur dank gezielter Suche nachweisen. Besonders Weibchen sind nur sehr spärlich aufzufinden. Diese muss man zwischen zahlreichen Honigbienen, aber auch anderen esparsettenbesuchenden Wildbienen wie der Luzerne-Sägehornbiene, diversen Sandbienen, Goldenen Langhornbienen, Blattschneiderbienen und anderen erst herausfiltern. Sogar die bei uns äußerst seltene und nur im Gradwohl-Gelände nachgewiesene Große Filzfurchenbiene konnte an den Esparsettenblüten gefunden werden.

Weibchen der Goldenen Langhornbiene beim Blütenbesuch an Kicher-Tragant im unmittelbaren Bereich des Esparsetten-Bestands. Melk, 25.06.2023

Weibchen der Goldenen Langhornbiene beim Blütenbesuch an Kicher-Tragant im unmittelbaren Bereich des Esparsetten-Bestands. Melk, 25.06.2023

Diese wirklich generell äußerst rare Bienenart ist eine echte Sensation, reiht sich aber beim Firmengelände Gradwohl in eine ganze Reihe außergewöhnlicher Bienenfunde ein. Bisher konnten dort neben anderen interessanten Arten teils äußerst seltene Arten oder Arten, die sonst nur im Pannonikum vorkommen, gefunden werden, wie etwa die Goldene Langhornbiene (Eucera pollinosa), die Malven-Langhornbiene (Eucera macroglossa), die Stängel-Blattschneiderbiene (Megachile genalis), die Zahntrost-Sägehornbiene (Melitta tricincta), die Große Filzfurchenbiene (Halictus pollinosus) oder die Schmallappige Schienenbiene (Pseudapis diversipes).

Weibchen der Großen Filzfurchenbiene beim Blütenbesuch an Sand-Esparsette. Melk, 25.06.2023

Weibchen der Großen Filzfurchenbiene beim Blütenbesuch an Sand-Esparsette. Melk, 25.06.2023

Diese Tatsache beweist jedenfalls, dass man den Bienen und überhaupt der gesamten Biodiversität mit geeigneten Maßnahmen ganz gut auf die Sprünge helfen kann. Der Erfolg bei der Firma Gradwohl, was Förderung der Biodiversität betrifft, sei hiermit zur Nachahmung empfohlen!

Lebensraum der Esparsetten-Sägehornbiene in Melk mit dichtem Bestand der Sand-Esparsette. 25.06.2023

Lebensraum der Esparsetten-Sägehornbiene in Melk mit dichtem Bestand der Sand-Esparsette. 25.06.2023

 

Wolfgang Schweighofer, 25.06.2023

 

Stellungnahmen zu Entnahme-Verordnungen (ÖKOBÜRO)

Zunehmend mehr österreichische Bundesländer erlassen Verordnungen, die die Entnahme von streng geschützten Tierarten, wie Wölfe, Fischotter und Biber, regeln. Zuletzt hat Niederösterreich sowohl die NÖ Fischotter-Verordnung als auch die NÖ Biber-Verordnung um weitere Entnahmeperioden verlängert. In Oberösterreich ist zudem eine Wolfsmanagementverordnung in Kraft getreten. Diese Verordnungen verstoßen nicht nur gegen das geltende Unions- und Völkerrecht, sondern sind auch aus rechtsstaatlicher Sicht problematisch. Gemeinsam mit dem WWF Österreich hat ÖKOBÜRO eine Reihe von Stellungnahmen zu den einzelnen Verordnungen an die Behörden geschickt.

https://oekobuero.at/de/news/2023/06/stellungnahmen-zu-entnahme-verordnungen/

LANIUS-Leuchtnacht auf der Neubacher Leit´n

Es gibt mehr als 3000 Schmetterlingsarten in Niederösterreich – unglaublich! Ein guter Teil dieser Artenvielfalt lebt jedoch wenig beachtet, da es sich um sogenannte „Kleinschmetterlinge“ handelt, die noch dazu häufig nachtaktiv sind.

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Kleiner Weinschwärmer (Foto: Becede)

LANIUS veranstaltete in der Nacht des 19. Mai eine „Leuchtnacht“ am Rande der Ortschaft Pielach. Dabei wurden unter der fachlichen Leitung von Wolfgang Stark fünf Leuchttürme aus feinem Gewebe und Lampen mit Schwarzlichtanteil aufgestellt, um nachtaktive Schmetterlinge anzulocken. Die Neubacher Leit´n wurde bewusst als Standort ausgewählt, da auf dieser südexponierten Hangwiese, die einige Jahre brach gelegen hatte, bereits einige Besonderheiten aus der Tier- und Pflanzenwelt entdeckt wurden: Kuhschellen, Orchideen, der Regensburger Geißklee, und die darauf angepasste Geißklee-Sandbiene streichen den Wert dieser artenreichen Wiese hervor. Seit vergangenem Jahr pflegt LANIUS mit dem Einverständnis des Grundeigentümers die Fläche durch Arbeitseinsätze, um die Bedingungen für seltene Pflanzen und Tiere zu erhalten und verbessern.

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Großes Nachtpfauenauge (Foto: Becede)

Die Leuchtnacht brachte dann auch den Wert der Wiese für Schmetterlinge förmlich „ans Licht“! Dier Erwartungen des Experten Wolfgang Stark wurden mit über 100 Schmetterlingsarten noch übertroffen! Dabei konnten bei Weitem nicht alle Arten sofort bestimmt werden. Dazu ist häufig Nacharbeit mit Hilfe von Bestimmungsbüchern nötig, und weitere Expertinnen oder Experten müssen hinzugezogen werden. Bei manchen Vertretern ist es jedoch nicht so schwierig:  gleich drei männliche Exemplare des prächtigen Großen (oder Wiener) Nachtpfauenauges ließen sich auf oder in der Nähe der Türme nieder! Auf der Suche nach Weibchen folgen sie einer kilometerlangen Duftspur, die selbst für modernste analytische Geräte kaum aufspürbar wäre.

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Seladoneule

 

Auch der Kleine Weinschwärmer ist mit seinen grün-braunen und rosa Farbtönen eine Augenweide. Aber auch kleinere Schmetterlinge aus den Familien der Spanner und Eulen offenbaren bei näherem Hinsehen faszinierende Muster, Formen und Farben.

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Dabei wurden nicht immer nur Schmetterlinge angelockt: auch die eine oder andere Spinne nutzte den gedeckten Tisch, um sich zu einer nächtlichen Mahlzeit zu verhelfen!

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Silberfleck Zahnspinner

Die Leuchtnacht war dank des etwas trockeneren Wetters für LANIUS und seine Gäste eine sehr stimmungsvolle und aufregende Art, die Vielfalt der nachtaktiven Schmetterlinge kennen zu lernen und zu erforschen, und auch nächstes Jahr soll es wieder eine geben.

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Rosen Eulenspinner

Fotos: © LANIUS bzw. Patrick Becede

Volksbegehren für ein Bundesjagdgesetz

Bitte um Unterstützung! Wir bitten um Weiterleitung und Verbreitung dieser Information. Es besteht ein großer und konkreter Änderungsbedarf!

Siehe: http://bundesjagdgesetz.at/index.php

Das Thema geht alle Österreicherinnen und Österreicher etwas an und erfordert daher diese Initiative! Natürlich, es geht auch vor allem alle Jägerinnen und Jäger, Forstfachleute, Natur- und Tierschützerinnen und Tierschützer, etc. etwas an, die z. B.  das Wort „weidgerecht“ (etc., etc.) ernst nehmen wollen. Sie alle sind hiermit aufgerufen, dieses Volksbegehren kräftig zu unterstützen.

Die Heuschrecken-Sandwespe

Die Grabwespen sind eine ökologisch spannende Gruppe innerhalb der Hautflügler (Hymenopteren) und in Österreich mit über 200 Arten vertreten.

Die größte und eindrucksvollste dieser Arten ist Sphex funerarius. Sie wird fast 3 cm groß, hat einen schwärzlichgrauen, kurz behaarten Kopf- und Throaxbereich und einen kurz gestielten Hinterleib, der vorne leuchtend orange und an der Abdomenspitze schwarz gefärbt ist. Die Beine sind recht lang und schwarz mit teilweise rotorangen Zeichnungen. Dieses Tier fällt auf Grund seiner Größe in einem blüten- und insektenreichen Gelände sofort auf. Einmal aufgescheucht, entfernt sich das Tier großräumig und in blitzschnellem Flug. Bei Sonnenschein hat man dadurch den Kampf um ein brauchbares Foto augenblicklich verloren. Bessere Möglichkeiten hat man, wenn die Sonne gerade hinter Wolken verschwunden ist und es etwas kühler wurde. Da kann man den Sphex unter Umständen bis zur nächsten Landung verfolgen und sich dann vorsichtig anpirschen.

In der ersten österreichweiten Roten Liste der Tierarten aus 1994 hat der österreichweit führende Grabwespenspezialist Hermann Dollfuß – übrigens im Arbeitsgebiet von Lanius ansässig – diese Art als Kategorie 0, also ausgestorben, gelistet. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt nämlich im warmen Südeuropa und weiter ostwärts. In den letzten Jahren hat sich die Art im Zuge des Klimawandels aber wieder bis zu uns ausgebreitet und auch weiter Richtung Norden bis zur Nord- und Ostsee. Bei dieser Ausbreitung werden natürlich Wärmegebiete mit Sandbiotopen bevorzugt. So soll die Art nach neuerer Literatur besonders im Wiener Raum und im Neusiedlerseegebiet gefunden werden.

Bei uns habe ich den ersten Fund auf der Geißklee-Sandbienen-Wiese in Neubach machen können. Da sich die Wiese im Verbrachungsstadium befindet, ist sie reich an höherwüchsigen Blütenpflanzen, darunter an vieltriebigen Exemplaren des Gewöhnlichen Dosts (Origanum vulgare). Ausschließlich die Blüten dieser Pflanze wurden von dem einen Exemplar der Heuschrecken-Sandwespe bevorzugt.

Sphex1Heuschrecken-Sandwespe (Sphex funerarius); Neubach, 23.7.2022.

 

Einige Tage später konnte ich ein weiteres Exemplar finden und zwar im Betriebsgelände der Firma Gradwohl bei Melk. Auch hier suchte das Tier die Blütenstände des Dosts auf. Kurz darauf machte ich eine weitere Beobachtung an einer Schlitzblättrigen Karde, wobei es sich möglicherweise um dasselbe Tier gehandelt haben könnte.

Sphex2Heuschrecken-Sandwespe (Sphex funerarius); Melk, 3.8.2022.

Diese große Grabwespenart ernährt sich also vom Nektar bestimmter Blüten, jagt aber auch nach größeren Langfühlerschrecken, die sie in ihre Nester in Sandboden einträgt, um dort als Nahrungsvorrat für die Larven in den Brutkammern zu dienen. Die Heuschrecken werden mit einem Stich gelähmt, um so möglichst lange frisch zu bleiben – ein grausames Schicksal.

Möglicherweise befinden sich die Brut- und Entwicklungshabitate der Sandwespe in den Quarzsandgruben der Umgebung. Sandhabitate in Nachbarschaft von blütenreichem Wiesengelände stellen die optimalen Lebensräume für viele Grabwespenarten dar. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie sich diese Grabwespenart unter dem Einfluss des Klimawandels in unserem Gebiet ausbreiten kann.

 

Wolfgang Schweighofer, 16.8.2022