Projekt Laubfrosch

Allgemeines zum Projekt

Das Laubfrosch-Schutzprojekt ist ein Kooperationsprojektzwischen dem Niederösterreichischem Naturschutzbund (NÖNB) und derForschungsgemeinschaft LANIUS: Beide Vereine haben das Ziel gesetzt, demLaubfrosch im niederösterreichischen Mostviertel zu helfen.

Dazu werden in den Jahren 2002 - 2004 die Laubfroschvorkommenim Mostviertel kartiert, um eine Überblick über den derzeitigenVerbreitungsstand zu bekommen.

Die aktuelle Verbreitung sowie das erworbene Wissen überVerteilung und Gefährdung der (Laich-) Biotope sollen in weiterer FolgeGrundlage für naturschutzfachliche Maßnahmen wie unter Schutz Stellungen gefährdeter Habitate oder die Schaffung von Vernetzungskorridoren zwischen isoliertenVorkommen sein.

Um diese hochgesteckten Ziele zu erreichen, benötigen wirIhre Unterstützung! Abendliche Spaziergänge in den nahen Auwald oder zubekannten Tümpeln können nicht nur ein besonderes Naturerlebnis sein, sondernsind Zeugnis gelebten Naturschutzes! Jedes an den NATURSCHUTZBUND oder LANIUSgemeldete Laubfroschvorkommen fließt direkt in das Projekt mit ein.

Bitte teilen Sie uns in ihren Mitteilungen auch die Größeund Art des Gewässers (z.B. Gartenteich) mit. Besonders Interessierte könnensich einen Kartierungsbogen direkt von der Homepage herunterladen. Schicken Siebitte Ihre Beobachtungen per E-Mail an die Projektleitung oder mittels Postwegan den NATURSCHUTZBUND oder LANIUS.

Der europäische Laubfrosch (Hyla arborea) als Leitart für den Amphibienschutz

Der Laubfrosch ist die einzige Amphibienart Österreichs, welche die Fähigkeit besitzt, mühelos im Gebüsch herumzuklettern.

Diese Eigenart sowie seine reine, glatte, meist einfarbig grasgrüne Oberfläche machen ihn zu einem "kleinen, sympathischen Kerl, welchem es leichter als seinen warzigen Kollegen fällt, in der Bevölkerung Verständnis für die Bedürfnisse der Amphibien zu erwerben. Dennoch finden wir ihn wie alle anderen heimischen Amphibien in der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Die besondere Gefährdung der Amphibien (insbesondre der Froschlurche) liegt in der Tatsache, dass es sich um eine Tiergruppe handelt, welche ein Leben "zwischen Wasser und Land" führt: so sind ausgewachsene Tiere Landtiere, welche jedoch sehr empfindlich gegen Austrocknung sind. Geeignete feuchte Landhabitate, oft in Gewässernähe, stellen die Grundlage des Überlebens adulter (erwachsener) Frösche dar. Zur Fortpflanzung benötigen jedoch alle Amphibien geeignete Feuchtbiotope (Tümpel, Überflutungsbereiche, Teiche, etc.), welche das Ablaichen der Eier und die Entwicklung der Larven (Kaulquappen) ermöglichen. In diesen Gewässern findet dann die Umwandlung (Metamorphose) der kiemenatmenden Kaulquappen in die lungenatmenden Frösche statt. Der Rückgang von geeigneten Laichgewässern stellt das grösste Problem für Amphibien dar. Grundwasserabsenkung und die Zuschüttung oder Verlandung von Gewässern sowie eine Intensivierung der Land- und Fischereiwirtschaft entziehen den Amphibien die notwendigen Lebensgrundlagen und führten europaweit zu einem drastischen Rückgang dieser interessanten Tiergruppe.

Im Gegensatz zu einigen unempfindlicheren Lurcharten wie Grasfrosch oder Wechselkröte ist der Laubfrosch hoch spezialisiert an seinen Lebensraum angepasst und ist dementsprechend besonders anfällig gegenüber kleinen Umweltveränderungen. Durch diese Sensibilität eignet er sich sehr gut als Leitart für den Amphibienschutz, denn Gewässer, welche für den Laubfrosch geeignet sind, eignen sich immer auch für eine Reihe weiterer Amphibienarten. So werden neben dem Laubfrosch auch eine Fülle anderer Amphibienarten von diesem Projekt profitieren können.

Methodik

Zur Datenerfassung wird ein Erhebungsblatt zur Verfügung gestellt, in welchem Beobachtungen von Laubfröschen, deren Laich oder Kaulquappen unter Angabe verschiedener Habitatsdaten festgehalten werden sollen. Für jede Beobachtung soll ein neues Erhebungsblatt ausgefüllt werden. Auch die Meldung früherer Beobachtungen istäußerst wichtig, wenn diese auch Jahre oder Jahrzehnte zurückliegen sollte. Ich bitte die MitarbeiterInnen, sich diesen für die Kartierungsarbeit zu kopieren. Ist dies nicht möglich kann der Bogen auch beim ProjektleiterMarkus Braun (Tel. 0676/ 93 99 111) bestellt oder direkt von der Projekt - Homepage herunter geladenwerden.

Die Erfassung neuer Laubfroschvorkommen wird in den meisten Fällen akustisch erfolgen. Der Paarungsruf des Laubfrosches, ein charakteristisches "äpp ... äpp ... äpp", welches in rascher Folge 4 - 6 mal in der Sekunde ertönt, ist kaum zu verwechseln. Vor allem die Rufchöre sind weithin vernehmbar. Die Paarungsrufe sind, je nach den klimatischen Bedingungen, von Mitte April bis Ende Juni mit Einbruch der Dämmerung zu hören.

Die Kontrolle größerer Gebiete erfolgt am besten mit dem Auto oder Fahrrad, wobei warme Abende nach Regenfällen diegrößte Rufaktivität aufweisen

Kommt es zu einer visuellen Beobachtung adulter Tiere, so besteht keine Verwechslungsgefahr mit anderen heimischen Froschlurchen. Die Oberseite ist meist hellgrün, kann in seltenen Fällen aber auch gefleckt, braun, grau oder gelblich sein. Die Unterseite istweißlich grau. Ein dunkler Flankenstreif erstreckt sich vom Nasenloch bis in die Hüftregion, wo er einegroße Hüftschlinge bildet. Die Kopf - Rumpf Länge beträgt bis zu 45 mm, die Finger und Zehenspitzen sind scheibenförmig verbreitert. Wenn möglich sollte jedoch eine Geschlechterbestimmung erfolgen. Rufende Individuen sind immer Männchen. Optisch sind die Geschlechter an der unterschiedlichen Kehlzeichnung zu erkennen: die Kehlregion der Männchen ist wegen der Schallblase bräunlich bis gelblich gefärbt und faltig, die der Weibchen glatt und heller.

Der Erfassung von adulten Tieren sollte auf alle Fälle eine gezielte Suche nach einem Fortpflanzungsbeweis folgen, da Rufgewässer sehr oft nicht der Fortpflanzungdienen.

Jungtiere können ca. ab Mitte Juni beobachtet werden. Sie treten dann in der Umgebung der Laichgewässer sehr zahlreich auf.

Der Laich wird in kleinen Klümpchen von bis zu 50 Eiern an Wasserpflanzen abgesetzt, die einzelnen Laichballen sind etwa walnussgross. Die Eier sind oberseits hellbraun, an der Unterseite weisslich bis gelblich. Laichballen können ab April gefunden werden.

Die Bestimmung der Kaulquappen ist nicht ganz einfach und sollte nur dann dokumentiert werden, wenn man sich ganz sicher ist. Der obere Flossensaum reicht bis zwischen die Augen. Das Schwanzende ist lang und spitz auslaufend. Der Körper zeichnet sich durch eine gold-grünliche Färbung aus. Gesamtlänge bis 50 mm.

Photos von allen Stadien der Laubfroschentwicklung sowie der Ruf sind auf der Homepage abrufbar.

Neben den Laubfroschdaten sollten unbedingt auch Angaben zum Habitattyp erfolgen. Erst diese Daten ermöglichen ökologische Rückschlüsse und lassen Vorkommen auf ihre Schutzwürdigkeit bestimmen. Ich bitte Sie daher eindringlich, den Erhebungsbogen vollständig auszufüllen. Sollten sich Fragen zum Bogen aufwerfen, können Sie mich umgehend unter der Tel. Nr. 0676 / 93 99 111 anrufen bzw. auf der Homepage Details nachlesen.

Ausblick

Der Erfolg des Projektes ist abhängig von der Anzahl der Rückmeldungen. Eine so großflächige Kartierungsarbeit kann nur durch den Einsatz vieler engagierter NaturschützerInnen ein nennenswertes Ergebnis bringen. Ich bitte deshalb jeden Einzelnen von Ihnen um jenes bisschen Engagement, der Laubfrosch wird es Ihnen danken!

Markus Braun: 0650 / 93 99 111

m.braun@gmx.at

Literatur

 

GEIGER, A. (2000): Laubfroschschutz im Münsterland. - LÖBF-Mitt., Reckling-hausen, 4/00: 16 -34.
BARANDUN, J. (1996): Letzte Chance für den Laubfrosch im Alpenrheintal. Altstätten, 63 S